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Jeschurun · 1922-09-01 · Heft 9-10 (September 1922) · p. Seite 327

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 9-10 (September 1922)
Date
1922-09-01
Page
Seite 327 (sequence 23)
Language
German
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Die religiöse Immanenz 827 ״objektiv“, ganz aussersubjektiv, und es besteht doch einmal die tiefe Beziehung d,es wahrhaft Religiösen als des Immanenten zum lebendig religiösen Menschen; zur religiösen Existenz. Und hier ganz ahnungslos glaubt man einfach in einen auflösenden Individualismus und Subjektivismus zu treten und sie schon furchtsam oder auch schadenfroh-siegesgewiss das ganze objektive religiöse Leben zerstört. — Was heisst also, rein philosophisch gesprochen, das־ Inhaitiich-Religiöse? Das sind, wie jeder nur kurze Einblick in die konkreten Religionen lehrt, Vorstellungen über Leben und Mensch, über Lebensgestaltung, sind Vöfkchriften und Gesetze, sind Ueberzeugungen, also alle möglichen auch erkenntnismässigen Bewusstseinsinhalte. * Was ist an ihnen religiös? Und hier erkennen wir die ganze Fruchtbarkeit unserer bisherigen Untersuchung. Das Religiöse ist wieder auch der Inhalt: die Vor- Stellungen über Leben und Mensch (wie wir schon sagten), über Lebensgestaltung, auch die Vorschriften und Gesetze, auch die verschiedenartigen Ueberzeugungen, also auch alle möglichen erkenntnismässigen Bewusstseinsinhalte. Aber als rein sachliehe •Bewusstseinsinhalte, als inhaltliche Gegenstände ins Bewusstsein wären sie noch längst nicht religiös, sondern würden je und je dem naturphilosophischen, dem spekulativen, dem ästhetischen, dem ethischen Bewusstsein usw. angehören. Was alle sie zu religiösen Inhalten macht, ist jenes ganz spezifisch religiöse Licht, das über sie verstrahit, die ganz innerliche Beziehung, ein eigentümlich religiöser Lebensaffekt, der sie alle in eine neue Ebene erhebt. Dies ist phänomenologisch so wichtig einzusehen. Jeder Lebensinhalt kann religiös sein, und dem religiösen Menschen ist jeder Lebensinhalt religiös. Aber dies ist er tatsächlich nur, weiL die innige, untrennbare Verschmelzung zwischen den Inhalten und dem religiösen Seelentum, zwischen ״Materie“ und ״Form“ geschehen ist. Dieä wird der Grund, warum auf einer bestimmten Stufe der religiösen Entwicklung (wo schon die Gottheit erkannt ist) der Religiöse in Allem die Gottheit sieht. Denn die Gottheit ist jetzt der ewige und unerschöpfliche Lebensinhalt des unmittelbaren religiösen Bewusstseins, das ewige Objekt, phäno-

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