Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1922)
- Date
- 1922-09-01
- Page
- Seite 325 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Die religiöse Immanenz 325 Du Zwerg-Geist aber greifst mit dürren Händen Nur Abbild, Traum, zerfliessende Magie .... Den vom Dichter allerdings noch viel weiter und dämonisch gefassten Sinn der ewigen Inkongruenz von kosmischen Weltlauf und individuellen Seelenleben übersehen wir nicht. V. Die Gewissheit unserer philosophischen Einsicht wird durch nichts besser bestätigt als durch die gegensätzliche religiöse Bewusstseinsstruktur, durch einen nicht mehr denkerischen Widerstand. Für die religiös Existierenden gibt es das Absolute, alle religiösen Inhalte in einem für den religiös Daseienden objektiv erlebten Sinn. So nimmt auch der Künstler sein Gefühl und seine Ekstase als eine der ״Objektivität״ anhaftende Eigenschaft. Die philosophische Romantik jedes Zeitalters bestätigt es; bis, wie es z. B. bei Nietzsche so deutlich wird, nach mancherlei Ekstase und romantischer Weltdeutung Diskrepanz, ja Widerspruch von ״Gefühl״ und ״Objektivität״ erkannt, aber nicht mehr restlos geklärt zu werden vermag. Dies gerade besagt ja die religiöse Immanenz: Das eigentlich Religiöse ist im seelischen Dasein beschlossen, adäquat kann es uur als gelebt erfasst^sein; das Gedankliche mag in Form des Bekenntnisses die religiöse Unmittelbarkeit mehr oder weniger glücklich ab bilden: die Erkenntnis aber der religiösen Inhalte verwandelt ganz notwendig das Unmittelbare ins Reflektierte, die leidenschaftliche ״Existenz״ in die leidenschaftslose Welt der Begriffe. Damit ist die Tatsache religiösen Philosophierens in keiner Weise von uns bemakelt. Wie jedes inhaltlich erfüllte Denken ist auch die Religionsphilosophie eine notwendige immer neugestellte geistige Aufgabe. Und ihre Ergebnisse sind ganz philosophisch zu werten, auf Grund der von jeder Religionsphilosophie als Intuition (denn es gibt hier keine Voraussetzungslosigkeit) hingenommenen Prämissen. Nur die Unmittelbarkeit des religiösen Daseins ist dann nicht mehr in die Religionsphilosophie eingegangen, so sehr sie gerade auf dieser Unmittelbarkeit sich erbaut.