Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1922-09-01 · Heft 9-10 (September 1922) · p. Seite 323

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 9-10 (September 1922)
Date
1922-09-01
Page
Seite 323 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2292929-2293011-2293017--05806-2299089
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

323 Die religiöse Immanenz die sich übrigens sehr von anderen Immanenzformen trennt, wie jeder sofort für sich erkennen mag, der die bisherigen Unter- Buchungen mitgedacht hat. Wir verstehen unter religiöser Immanenz: das ganze religiöse Dasein spielt sich nur im seelischen Bewusstsein ab. Wohl fragt die Philosophie nach gewissen dem religiösen Bewusstsein möglicherweise entsprechenden Objektivitäten, diese Frage aber ist nicht mehr religiös. Das religiöse Dasein ist im Bewusstsein des religiösen Menschen beschlossen. Die im religiösen Bewusstsein erlebte Gottheit kann religiös gar nicht als sogenannte objektive Realität erkannt werden, weil die religiöse Einstellung keine Erkenntnis ist und daher auch nach gar keiner sogenannten objektiven Realität zu fragen und darüber zu urteilen berechtigt ist. Im religiösen Bewusstsein wird z. B. die Gottheit als ״religiös wirklich״, ganz unverbindlich in der ewigen Tendenz des Einzeinen zu ihr und umgekehrt, erlebt, während die begriffliche und metaphysische Klärung dieses psychischen Tatbestandes Aufgabe der Philosophie ist, die in Selbtbesinnung die unmittelbare Vitalität der religiösen Existenz aufhebt, in die kontemplative (nicht mehr religiös-wirkliche) Sphäre entrückt. Das religiöse Bewusstsein ist unmittelbarstes Erfasstsein, ein unreflektiertes Lebensgefühl. Adäquat fa3sen wir es nur in der religiösen Existenz, nicht in der Reflektion über die religiöse Existenz; ganz wie auch das künstlerische Bewusstsein nur in der künstlerischen Existenz adäquat erfasst wird. Die Inhalte des religiösen Bewusstseins sind nur als Inhalte im religiösen Bewusstsein adäquat erfasst. Sie ruhen im Fluidum der ganzen religiösen Lebendigkeit. Gottheit, religiös, nicht philosophisch genommen, ist nur als die im religiösen Bewusstsein erlebte Gottheit sinngemäss zu verstehen; ebenso andere ״religiöse Inhalte״. Das verstehen wir unter religiöser Immanenz. So scheint auch der Sinn der Verse3) zu sein: י* המצוה הזאת אשר אנכי מצוך היום לא־עפלאת הוא ממך ולא רחוקה הוא..♦ כי-קדוב^אליך הדבר מאד בפיך ובלבבך לעשתו. .דברים ל/ י״א— (3

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.