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Jeschurun · 1922-09-01 · Heft 9-10 (September 1922) · p. Seite 322

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 9-10 (September 1922)
Date
1922-09-01
Page
Seite 322 (sequence 18)
Language
German
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322 Die religiöse Immanenz dialektischen Trieb die getrennten Sphären miteinander vergleicht und zur höchsten Synthese bringen möchte; wo in philosophischer Seins- und Seelenbetraehtung da3 Heterogene (das Religiöse z. B. mit dem Erkennerischen) sich mischt und den eigentümlichen Charakter (in unserem Fall den eigentlich religiösen) einbüsst; wo schliesslich in der ruhelosen Selbstentwicklung des menschliehen Bewusstseins das religiöse Leben sich wieder von den anderen Sphären losreisst und ihnen doch wieder verhaftet wird, in einem ewigen Wechselspiel, das in seiner Notwendigkeit der Denker bewundernd erblickt. Da wir hier das ganze grosse Phänomen nicht mehr als andeutend zu bezeichnen brauchten, kehren wir zum Religiösen zurück. Wir sagen: Religiöses Bewusstsein ist eine geistige in sich abgeschlossene Seinsform, ist in seiner Reinheit nur in sich selbst, nicht in Anderem zu begreifen, verliert unter Miteinbezug anderer Bewusstseinsformen (erkenntnistheoretischer, metaphysischer, ethischer, künstlerischer) seinen ursprünglichen Sinn und wandelt sich völlig ab. So wird mein Erlebnis dieses Baumes mit seinen hängenden Zweigen sofort ertötet, wenn ich es nicht immer mehr künstlerisch, d. h. adäquat in diesem Falle vertiefe. So wird das religiöse Dasein seines unmittelbaren Dranges sofort entkleidet, wenn es in anderen geistigen Funktionen sich enthüllen soll, wie auch die Liebe in der«. Reflexion über die Liehe schon etwas anderes geworden ist. — Die Philosophen aber haben mit Recht über alles gedacht, denn sie erkennen auch das Irrationale mit den Funktionen ihrer Ratio, trennen kardinal alles Naturhafte vom Bewusstseinshaften, klären, (was uns hier, nur wenig betrifft) auch das Naturhafte in seine verschiedenen Momente des ״Empirischen“ und ״Ueberempirschen“ und nennen alles, was sich ursprünglich nur im Bewusstsein, sogenannt ״realiter“ aber auch nur auf dem Wege über das Bewusstsein vorfindet, immanent. . Wie sich so auch das Naturhafte der Immanenz * mitein־ ordnet und es doch wiederum ״existiert“, brauchen wir hier nicht zu untersuchen. Hier interessiert nur das religiöse Bewusstsein. Wir fassen das ganze religiöse Leben als Immanenz; eine Immanenz,

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