Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1922)
- Date
- 1922-09-01
- Page
- Seite 318 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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318 Die religiöse Immanenz Die religiöse Immanenz. Entwurf einer R e 1 i g i 0 n s p h i 10 s 0 p h i e von Dr. Hermann Weyl (Frankfurt a/M). Meinen Eltern. Man muss billigerweise der Meinung sein, dass zur umfassenden Metaphysik des Judentums vorläufig erst Vorarbeiten geliefert sind. Denn auch die systematisch-religiösen Werke, deren noch die Gegenwart einige gezeitigt hat, geben nur einen Aspekt, und Judentum bietet, wie jede einheitliche Kultur, dies allen psychischen Gebilden gemeinsame Phänomen, dass eine Vielheit von Aspekten und Lebensströmungen — geeinigt in einer zentraten Weltansicht, die doch eine Anzahl philosophischer Deutungen möglich sein lassen muss — einen einheitlichen geistigen Organismus lebendig und einzigartig konstituieren. Vielleicht liegt es auch im Wesen des Metaphysischen (einen Augenblick lang als selbständiger Trieb gefasst), dass es letztem Ausdruck sich nie ergibt, dass — um im Bild zu sprechen — das Metaphysische immer auf dem Marsche sein muss, in einer hinreissend-grossen ewigen Dialektik des menschlichen Bewusstseins. Wo der metaphysische Trieb versagt, vielleicht versagen muss, kann gleichwohl eine neue Beleuchtung der Phänomene aus dem Geiste des gescheiterten metaphysischen Triebs geschehen. Immer wieder begegnen wir im religiösen, künstlerischen und naiv-menschlichen Bewusstsein dieser Antinomie. Man glaubt das ,Herz der Welt״ zu fühlen, identifiziert sich mit ihm, schreibt seinen Gefühlen und Gestaltungen absolute Bedeutung zu, ganz naiv seinen ,Ideen״ vertrauend, von irgend einer Fragestellung nach Grenzen kaum berührt: ein philosophisch fragwürdiger wenn auch für den Künstler und überhaupt Fühlenden notwendiger psychischer Tatbestand. Hier ist, kritisch gesehen, das Vergängliche. Das Ewige aber wird die persönlichgefühlshafte Gestaltung, die aus dem Geiste des philosophisch so fragwürdigen, aber künstlerisch und gefühlshaft so notwendigen metaphysischen Zusammenhangs ganz neu vertieft worden ist,