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Jeschurun · 1922-09-01 · Heft 9-10 (September 1922) · p. Seite 313

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 9-10 (September 1922)
Date
1922-09-01
Page
Seite 313 (sequence 9)
Language
German
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Mussarworte 318 Aus dem Werke שמירת הלשון. Drei Charakterfehler verursachen לשון רע: Zorn, Spott und Hochmut. Der Jähzorn, der die Vernunft verstummen lässt, sodass der Mensch sich nicht beherrschen kann und alles spricht, was ihm in den Sinn kommt. Unsere Weisen aber sagen: Jeder Jähzornige wird trotz seiner Verdienste gestraft, ja selbst wenn ihm schon Grosses bestimmt. Auch der Spott, der vielen Menschen eigen, gibt ihnen Anlass Uebles über andere zu reden. Gewohnlich spricht man in einer kleinen Gesellschaft, sodass noch ein zweites Vergehen hinzukommt. Dass man auch einige andere dazu bringt, mitzulachen und mitzuspotten, ja sie in mehreren Fällen bereits daran gewöhnt. Der Spott ist aber nach dem Ausspruch unserer Weisen eins von den vier Dingen, die das Walten der göttlichen Herrlichkeit nicht zulassen. Wenn die Spötter nur wenig danach streben würden, ihren Mund zu schliessen, wenn es sie gelüstet, zu reden, würden sie sich für jeden Augenblick ein Strahl des verborgenen Lichtes erwerben, dessen Schönheit und Stärke kein menschliches und kein himmlisches Wesen ermisst. Auch der Hochmut gehört zu diesen Fehlern des Charakters, die den Menschen veranlassen, seinen Nächsten auf jede mögliche Weise — und vornehmlich durch לשון רע — herabzusetzen, um selbst im besseren Lichte zu erscheinen. Was für Gründe hat denn aber der Mensch hochmütig zu sein, wenn er bedenkt, woher er kommt und wohin er geht. Unsere Weisen aber sagen: Jeder, der hochmütig ist, dessen Staub wird nicht bewegt werden, wenn alle Toten auferstehen. Mass für Hass! Denn er dachte ja niemals daran und nahm es sich nicht zu Herzen, dass er zu einem Orte voll Staub und Gewürm wandelt, sondern hielt sich stets hoch und erhaben über alle seine Genossen. Darum hat sein Körper, da er einmal Staub geworden, keine Kraft, sich zu erheben, und wenn alle seine Mitmenschen auferstanden sein werden, so wird er ruhen müssen und die werden über ihn hinwegschreiten, über die er bei Lebzeiten hinwegschritten.

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