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Jeschurun · 1922-09-01 · Heft 9-10 (September 1922) · p. Seite 309

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 9-10 (September 1922)
Date
1922-09-01
Page
Seite 309 (sequence 5)
Language
German
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Mussarworte 309 unser Tempel zerstört wurde und wir ins Exil wandern mussten1). Und von jenem Augenblick bis auf die heutige Zeit harren wir auf Gott und beten, dass er uns wieder in seine Nähe bringen, wie Er es uns doch in Seiner heiligen Lehre und durch Seine Propheten so oft zugesichert, aber unser Gebet findet keine Erhörung . . . Die Ursache kann sicher nur in uns liegen. Und wenn wir nun Umschau halten unter den Hauptsünden, die für die lange Dauer des Exils in Anspruch zu nehmen sind, so werden wir wohl viele finden. Doch die Sünde der Zunge überwiegt sie alle. Aus den verschiedensten Gründen. Zuerst: da diese Sünde die Ursache für das Exil war, wie könnte da die Erlösung kommen, ohne dass wir sie abgestellt. Sodann: das Exil wurde bekanntlich über uns schon bei der Begebenheit mit den Kundschaftern (Nu. 13) verhängt (vgl. Ps. 106,24ff. und Raschi das. und Ramban zu Nu. 14,1). Diese Sünde aber war לשק הרע. Wir müssen daher diese Sünde noch vor der Erlösung gut machen. Diese Sünde ist’8 auch, die Schuld daran ist, dass Israel im Exil unter solcher Strenge leidet (vgl. Raschi zu Ex. 2,14 ״ .(אכן נודע הדברIn dieser Welt, heisst es in Midrasch Rabba (פ" כי תצא), habe ich die göttliche Herrlichkeit in eurer Mitte nicht weilen lassen, weil לשון הרע unter euch ist. Und ferner: Wann ist Gott in Jeschurun König, wenn sich versammeln die Häupter des Volkes, vereint die Stämme Israels und nicht, wenn sie in Einzelverbände zerfallen (Sifre und Raschi zu Dt. 33,5). Und bekanntlich ist dieser Zerfall eine Folge von לשון רע. Aber ganz abgesehen davon, wie können die Segnungen Gottes, auf die wir hoffen, uns zu Teil werden, solange wir an diese Sünde gewöhnt sind, nachdem diese Sünde mit einem ausdrücklichen Fluche in der Thora belegt ist: ״Verflucht sei, wer seinen Nächsten heimlich schlägt*‘ (Dt. 27, 24), das als לשון הרע aufgefasst wird (Raschi z. St.). . In der ״Einleitung“ und in meinem Buche שמירת הלשון habe ich alle Aussprüche aus Talmud, Midrasch und dem heiligen J) Vgl. die Nachweise im Text: dass der Talmud mit dem ״grundlosen Hass“ auch die Sünde des לשון הרע meint.

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