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Jeschurun · 1922-09-01 · Heft 9-10 (September 1922) · p. Seite 308

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 9-10 (September 1922)
Date
1922-09-01
Page
Seite 308 (sequence 4)
Language
German
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308 Mussarworfce .der Ehrfurcht, jener frommen Scheu, die den thoratreuen Juden erfüllt, wenn es sich um die Uebertretung der Heiligkeitsgesetze handelt. So wird in jedem Einzelnen der Geist des Propheten geweckt, deren eigentliche Aufgabe es ja gewesen, nicht nur gegen die seelenlose Erfüllung der Gebote an sich sondern vor allem gegen die Verletzung der Rechte des Mitmenschen zu kämpfen, die Liebe zu ihnen als religiöse Forderung einzuschärfen. Und es ist verständlich, warum vorzüglich in Jeschiwoth — und auch die, die sich bewusstermassen dem Mussernikgeist entgegenstellen, sind von ihm beeinflusst — jene Arbeit an dem eigenen Selbst blüht, warum hier, wo die Geistesübungen ihren Triumph in der Entwicklung halachischer Fragen feiern, auch jener Mussar, der sich immer wieder vor neue Probleme gestellt sieht, seine Wirkung übt. Die Proben, die hier als Uebersetzung aus dem •חפץ חיים folgen, geben nicht in entferntesten €jine Vorstellung davon, welche Kraft aus der Lektüre derartiger Werke den Jüngern zuströmt. Aber die auch in unseren Kreisen herrschende Ahschauung von der Banalität der Mussarseforim steht auf derselbenStufe, wie jene andere auf nichtjüdischem Bo den gewachsene: ״Das Moralische versteht sich von selbst“. So darf von Zeit zu Zeit daran erinnert werden, dass es andere Kreise gibt, in denen mit Selbstaufopferung das Ziel erstrebt wird, dass Lehre und Leben sich decken, und für die eben darum das Moralische sich nicht von selbst versteht, die Mussarliteratur noch der eindringendsten Lektüre wert erachtet wird. * * * Aus der Vorrede des .חפץ חיים ״Gott hat uns von allen Völkern erwählt, uns seine Lehre gegeben und uns in das heilige Land geführt, damit wir das Glück haben alle seine Gebote erfüllen zu können., Dies alles nur zu unserem Wohle ... Aber in der letzten Zeit des zweiten Tempels nahm grundloser Hass und לשון רע so überhand, dass

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