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Jeschurun · 1922-09-01 · Heft 9-10 (September 1922) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 9-10 (September 1922)
Date
1922-09-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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306 Mussarworte nahm, das wir bei einem Buche, das seiner Wirkung sicher sein soll, erwarten. Da ist so gar nichts darin weder von der tiefen und schweren Gedankenarbeit, die wir bei unseren jüdischen Religionsphilosophen wahrnehmen, noch von der Gewalt der Rede wie in Herzberg’s ״Jüdischen Familienpapieren״ und Birnbaum’s * Gottes Volk“, noch viel weniger von der Vereinigung dieser Momente, wie in S. R. Hirsch’s ״Gesammelten Schriften״. Und dennoch! Gerade an der Hand dieses Buches ist mir das Verständnis für die Eigenart und Einzigartigkeit der ״Musserniks“ *) aufgegangen. Sie sind grosse Denker, oft Talmudgelehrte ersten Ranges und haben doch so gar nicht das rein Verstandesmässige an sich, das man mit dem reinen Denker sich verbunden denkt. Sie sind von einem grossen, zehrenden Feuer erfüllt für die Erhaltung des Gottesgesetzes, von einem nicht zu überbietenden התלהבות in der Hingabe an Gott und stehen doch in ihrer Denkweise, in der ganzen Art ihrer Frömmigkeit dem Chassidismus ausserordentlich fern. Sie machen ernst mit der Forderung: Gott, das Lernen und das Befolgen seiner Lehre in das Zentrum und alle weltlichen Interessen an die Peripherie zu rücken und zeigen auch nicht einen Zug des Bildes, das die Pietisten dem lebenskräftigen und lebenbejahenden Menschen unsympathisch macht. Die harmonische Vereinigung des Denkens, Fühlens und Wollens, wie es uns in den Musserniks entgegentritt, ist an sich der Vorzug erlesener, ausserordentlicher Persönlichkeiten. Eine solche Avar R. J. Salanter זצוק״ל und ist להבח״ל der Chofez Chajim. Persönlichkeiten machen als Persönlichkeiten keine Schule. Was ist es, das die Lebens- und Weltanschauung dieser Männer doch Schule machen liess und in ihren Schülern bis herab auf den beginnenden Jeschiwobochur eifie Welt- und Lebensanschauung reifen lässt, die eben nicht nur Anschauung bleibt, sondern *) Vgl. über sie und ihren ersten geistigen Führer die geistvollen und tief eindringenden Aufsätze R. J. Weinberg’s ״Von den litauischen Moralisten, ihrer Ideenwelt und ihrem ersten Führer“ (Jesehurun V, S. 478—484, 505—506; VII, 595-605; VIII, 52—61,162—168). Vgl. derselbe ״Die Jeschiwoth in Russland״ (Jesch. III, 52—59, 107—128).

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