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Jeschurun · 1922-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1922) · p. Seite 303

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1922)
Date
1922-07-01
Page
Seite 303 (sequence 63)
Language
German
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Monistische Märchen 303 liegt der Schlüssel zur Quelle der Wahrheit. Wenn man die Existenz eines persönlichen Gttes einfach deshalb leugnet, weil man ihn nicht sehen kann, so ist dieser Beweis für das Nicht- Vorhandensein Gttes ebensowenig stichhaltig und überzeugend, wie etwa die Wegleugnung des menschlichen Geistes, den man weder in Reagenzgläsern fassen, noch in Reinkulturen züchten kann. Der alte Erfahrungssatz des Philosophen auf dem Königsthron ״Gttesfurcht ist der Anfang der Weisheit“ bleibt trotz aller Theorien des Materialismus immer noch wahr. Worin offenbart sich aber die rechte Gttesfurcht? In nichts anderem als in der Tat. ״Gtt dienen durch die Tat“! fordert Grunwald von seinem jungen Freunde, an den er seine Aufklärungsbriefe richtet und lehnt jede Ketzerrichterei als eine dem prophetischen und dem rabbinischen Judentum tremde, ja sogar widersprechende Erscheinung ab. Jona tadelt nicht die religiöse Gesinnung oder den Unglauben der Bewohner Ninives, sondern ״ihren bösen Wandel“, und R. Chija lässt Gtt jenen berühmten Ausspruch tun, der auch dem Ungläubigen die Möglichkeit geben will, sein Bausteinchen zur Erhaltung des Judentums beizutragen: ״Zugestanden, sie verlassen mich — wenn sie nur meine Gebote halten würden“! Das Judentum ist eine Manifestation der Tat. Gerade für diejenigen jungen Juden, die, von Zweifeln befallen, sich dem überlieferten Judentum entfremdet fühlen und, erst einmal aus der religiösen Gemeinschaft entfernt und auf die abschüssige Bahn dazu gelangen, ihre Zweifel in der Tat umzusetzen und den Positivismus des Gttesgesetzes zu vernachlässigen — sie alle werden sich von diesen und ähnlichen Ausführungen Grunwalds angezogen fühlen, werden in ihnen bei ihrer religiösen Vereinsamung Trost finden und angespornt sein, auch ohne innere Ueberzeugung den Forderungen des Gttesgesetzes zu genügen; sie werden die Verbindung mit dem alten Judentum wenigstens durch die äussere Tat aufrecht zu erhalten suchen, bis auch ihnen unserer aller Lehrmeister, das Leben, den Weg zur wahren אמונה erschlossen haben wird. Das ״Tatkapitel״, welches Grunwald ״Die religiöse Lüge״ überschreibt, wirkt ״in der Tat“ überzeugend. Einfacher und treffender

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