Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1922-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1922) · p. Seite 301

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1922)
Date
1922-07-01
Page
Seite 301 (sequence 61)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2292929-2293011-2293016--05766-2299049
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Monistische Märchen 301 Lehre, anzuschliessen. Da sie aber meist nicht in der Lage ist, die sogenannten Ergebnisse ausreichend zu prüfen, um sich ein eigenes Urteil bilden zu können, so nimmt sie — mehr dem Klange des gelehrten Namens, als ihrer eigenen Ueberzeugung folgend kritiklos hin, was noch mancher Korrektur bedarf, bis es als wissenschaftliches, feststehendes herausgestellt werden könnte. Wenn sie doch mit der gleichen Selbstverständlichkeit und Kritiklosigkeit das göttliche Gesetz hinnehmen möchte, anstatt an jedes Gebot und Verbot die kritische Sonde zu legen, und diejenigen מצות, die vor ihremgestrengen Richter blick nicht bestehen, einfach über Bord zu werfen! Sehr gut zeigt Grünwald, dass gerade die Wissenschaft häufig genug der ״Glaubensgesetze“ bedarf, um Theorien überhaupt aufstellen zu können. In solchen Fällen stellt das wissenschaftliche Dogma den menschliehen Verstand auf weit härtere Proben, als etwa der Glaube an einen persönlichen Weltschöpfer, der einzig ist. Waren nicht die Wellentheorien des Lichtes, die Atom-, die Zellentheorie, die Vererbungstheorie in gewissem Sinne Dogmen, bis man sie als Tatsachen erfahrungsgemäss erkannte? Grunwald macht aber mit Recht einen Unterschied zwischen solchen naturwissenschaftliehen Problemen, und zwischen den naturphilosophischen Problernen, zu denen er die Hypothesen der Häckelschen Urzeugung und die Deszendenztheorie in erster Reihe rechnet. Damit begibt sich Häckel auf das Gebiet der Philosophie, auf dem er nebenbei bemerkt nach Urteilen der sachverständigsten Männer (wir erinnern nur Paulsens vernichtende Kritik) durchaus nicht in seinem Element ist. Die Grundbegriffe naturphilosophischen Denkens sind nicht neu. Sie gehen auf Aristoteles zurück. Er bezeichnet als Prinzip des Lebens die Seele und unterscheidet mit tiefem Naturverständnis zwei Naturreiche: das der lebenden und beseelten Wesen und der leblosen, unbeseelten Körper, eine Einteilung, die die Naturwissenschaft der Gegenwart über die inzwischen von Linne eingeführte Dreiteilung (Stein-Pflanzen- und Tierreich) hinausgehend wieder angenommen hat4). Gerade ihre- 4) Cohn. Pflanzen I. S. 67.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.