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Jeschurun · 1922-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1922) · p. Seite 300

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1922)
Date
1922-07-01
Page
Seite 300 (sequence 60)
Language
German
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300 Monistische Märchen thesen sind gerade das Gegenteil von Ergebnissen. Eine Hypothese schliesst stets einen Zweifel ein, lässt immer noch die : Möglichkeit einer anderen Entscheidung offen, während die naturwissenschaftlichen Ergebnisse so gehalten sein müssen, dass sie eben bestimmte Tatsachen ״geben״, aufgrund welcher die Forschung fortgesetzt werden kann. Wenn daher einer der bedeutendsten Vertreter der Entwicklungstheorie, Ernst Haeckel, von der exakten Forschung abweicht und, wie er selbst zugegeben hat, 2) oftmals, um seiner Lieblingstheorie, das biogenetische Grundgesetz in ein helleres Licht zu rücken, sich solch subjektiver Darstellungen bediente, die als Fälschungen angesprochen wurden, dann darf man wohl füglich mit einigen Zweifeln an sogenannte Ergebnisse der Wissenschaft herantreten, wenn sie geeignet sind, Weltbilder zu zerstören, auf denen unsere gesamte sittliche Kultur immer noch fusst. Man braucht nur jenen Streit um die Häckelschen Embryonenbilder in Erinnerung zu rufen, um sich von der Tragweite selbst kleinster Abweichungen von den Wissenschaftliehen Tatsachen einen Begriff zu machen. ״Nun würde ich nach diesem belastenden Eingeständnis der Fälschungen mich für gerichtet und vernichtet halten müssen, wenn ich nicht den Trost hätte, neben mir auf der Anklagebank hunderte von Mitschuldigen zu sehen, darunter viele der zuverlässigsten Beobachter und der angesehensten Biologen. Die grosse Mehrzahl nämlich von allen morphologischen, anatomischen, histologischen und embryologischen Figuren, welche in den besten Lehrbüchern und Handbüchern, in biologischen Abhandlungen und in Zeitschriften allgemein verbreitet und geschätzt sind, verdienen den Vorwurf der Fälschung in gleichem Mass. Sie alle sind nicht exakt, sondern mehr oder weniger zurechtgestutzt, schematisch oder konstruiert.“ Gerade die Jugend ist schnell bereit, mit überlieferten Anschauungen3) zu brechen, um sich angeblich auf Grund wissenschaftlicher Forschungen einer neuen 3) Berliner Volkszeitung vom 29. 12. 08. s) a. a. 0. zitiert nach Teudt, ״Im Interesse der Wissenschaft״, Bonn 1908, S. 86.

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