Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1922)
- Date
- 1922-07-01
- Page
- Seite 270 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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270 Israel Zangwill als Dramatiker täten, wohin alle Völker strömen, um zu arbeiten und zu hoffen, um nur als Menschen zu leben, befreit von allen nationalistischen Wahnvorstellungen und erlöst von Unduldsamkeit.- * Zwei Elemente halten ein Drama in Atem: Pathos oder Ethos, oder beides.*) Bei Zangwill ist beides vereinigt, Sturm der Leidenschaft und drängendes Wollen zum Bessern, stürmischer Anprall gegen das Bestehende, Einzel- Schicksal im Widerspruch mit menschlicher Unzulänglichkeit, anklagendes Aufbäumen der von Russland Gezeichneten durch eine mächtigere Berufung an das gerechtere Amerika — das Ganze ein Aufschrei der Geknechteten, eine Sehnsucht der von Europa Entrechteten nach Neüland, nach Gerechtigkeit in Amerika. * * * Ganz abseits von der ästhetischen und ethischen Beurteilung des Dramas liegt die Frage nach der sozialen Bewertung und nach der jüdisch-politischen Bedeutung des Werkes. Eine neue L03ung der Judenfrage wird zu geben versucht: Amerika, das Zukunftland der Juden, das ist die ziemlich einfache Antwort Zangwills. Von jeher war ja Zangwill als sog. Territorialist bekannt, d. h. Angehöriger derjenigen politischen Partei, die jedes Land, als Heimat für das Judenvolk willkommen heisst, ohne Rücksicht auf die geschichtliche Vergangenheit des Bodens. Wie aber, wenn bei dieser Art der Wahl des Zukunftlandes das ganze Judentum sich auflöste. Ist eine geistige Widergebürt des Judentums in Amerika z. B. zu erhoffen, wo nicht historisch Ererbtes, nicht Jüdisch-Nationales die Seele in Schwung setzt, wo nur Zweck und Nützlichkeit die verschiedenen Volkssplitter zusammenhält, und wo das Judenvolk nur den Bruchteil eines Nationalitätengemengseis darstellt? Wird da das jüdische Volk auf Generationen hinaus seine kulturelle 1). s. B. Diebold. Anarchie im Drama, p. 426 Frankf. a. M. 192L