Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1922)
- Date
- 1922-07-01
- Page
- Seite 264 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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264 Israel Zangwill als Dramatiker ist ein musikalisches Genie schon in Russland gewesen, ein Wunderknabe. Schon mit 18 Jahren hat er eine Symphonia Americana komponiert. Diese Symphonie soll ein Wunderwerk an musikalischer Erfindung sein, es soll ein Bekenntnis zur Freiheit Amerikas sein, eine Verherrlichung und Tonverkörperung der Ideale Davids, des Komponisten, von Menschenverbrüderung und Völkerfreiheit, von Aufhebung aller nationalen Schranken, ein Hohelied von der weltbeglückenden, alles bindenden und lösenden Mission der göttlichen Musik, ein Triumph symphonischer, orchestraler Tonkraft. Eine neue Menschheitsreligion soll diese Symphonie künden. Zugleich aber soll sie auch eine Huldigung für das unabhängige, alle Völker umspannende, über allen Nationen stehende Freiheitsland Amerika werden. Allein — es fehlt der Ort, um dieses einzigartige Werk in würdigem Rahmen herauszubringen, denn woher das Orchester nehmen, das einem gänzlich unbekannten Komponisten seine Kräfte zu Gebote stellte? Doch wie durch ein Wunder macht David in einem Wohltätigkeitskonzert die Bekanntschaft einer jungen russischen Emigrantin, der Baronesse Vera Revendahl, selbst Pianistin von grossem Talent und grosser Schönheit. Diese gewinnt Interesse für David, macht ihn mit einem Korn- und Oel-Millionär New-Yorks, Quincey Davenport, bekannt, einem geckenhaften Lebemanne, der seine Millionen mit Anstand für allerlei Liebhaberkünste, auch für Musik ausgibt, der sich ein Privathaus- Orchester mit einem deutschen Kapellmeister hält. Dieser Davenport kommt auf Veranlassung von Vera Revendahl in ihrer und seines Kapellmeisters Begleitung zu David ins Haus, um die Partitur des Wunderwerks im Manuskript zu prüfen. Alle sind nach Anhörung von Einzelheiten aus der Symphonie hingerissen von der Schönheit und Kühnheit des Werks, der deutsche Kapellmeister schäumt vor Begeisterung über. Schon scheint Davids Träumen Erfüllung zu winken. Durch seine Musik soll Amerikas Menschheit aufgerüttelt, an ihre hehre Bestimmung, als Freiheitsstätte allen Elenden iind Flüchtigen der Welt seine Pforten zu öffnen, erinnert werden — da geschieht etwas Unerwartetes: