Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1922)
- Date
- 1922-07-01
- Page
- Seite 265 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Israel Z an g will als Dramatiker 265 David, dem das Glück greifbar die Hand reicht, David will nicht, er weigert sich, die Symphonie aulführen zu lassen als er den Namen des Besuchers deutlicher hört. Er soll sein Idealwerk dem bekannten Snob Davenport verkaufen, seine Dichtung einem schwelgerischen Geldmagnaten überlassen, diesem Kapitalisten, der von der Knechtung und Ausbeutung Tausender Arbeitersklaven lebt, nur damit er seinen Gästen eine neue Sensation vorführen kann! Ein Befreiungswerk für die Massen der Völker und Aermsten, der Unterdrückten im Schmelztiegel Amerika; ein Preislied auf Amerikas Freiheitsstätten sollte dies Werk werden, Erlösung, Versöhnung, Verständigung anbahnen, die Gleichheit aller Nationen im Völkergemisch der Vereinigten Staaten künden — nicht aber im Kreise kunstübersättigter Snobs und Europas Scheinkultur nachälfender Multimillionäre zur Schau gestellt werden. David weist das Anerbieten zurück, voll Zorn und Verachtung verlässt Davenport die ärmliche jüdische Wohnung. Doch zwei Herzen hat David mit dieser heroischen Geste gewonnen: Den als Sachverständigen geladenen deutschen Kapellmeister und seine junge Gönnerin, die Baronesse Revendahl, die in Liebe zu ihm entbrennt, in derselben Stunde verspricht ihm die junge Russin, die Seine zu werden. Die jungen Liebenden trennen sich. Vergebens stellt ihm sein Onkel Mendel, dem er sich gleich anvertraut, den Wahnwitz dieser Verbindung einer russischen christlichen Baronesse mit einem russisch-jüdischen Flüchtling vor, ganze Bäche des Blutes und Hasses trennten sie, die Stimme der Traditionen und der Rasse lasse sich nicht übertäuben — vergebens, David, der Prophet der Gegenwart, glaubt zu fest an sein Ideal. Der Schmelztiegel Amerika glühe alles aus, meint David, Rassenunterschiede, Religionsvorurteile, Amerika sei der Schmelzofen, das Land Orglid, wo nur Mensch zum Menschen spräche, hier gelte nicht Rasse, nicht Nationen, hier umfasse e i n Gebot alle Menschen, das Gebot der Liebe. Nicht rückwärts wie es immer im Judentum geschehen wende sich unser Blick, auf die Jahrhunderte des Hasses, sondern vorwärts in die Zukunft. Amerika, die grosse Völkerrepublik, die Statue der Freiheit im