Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1922)
- Date
- 1922-07-01
- Page
- Seite 262 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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262 Israel Zangwill als Dramatiker des althebräischen Schrifttums aber hängt Y0n den gegenseitigen Abweichungen der Textquellen nicht ab. Also auch durch Zeitungsartikel über ״ dreitausend Fehler im A. T.“ kann die religionsgeschichtliche Stellung des Bibelbuches nicht erschüttert werden. Israel Zangwill als Dramatiker. Von Dr. Armin Blau, Hamburg. In unserer letzten Arbeit über die neuere westjüdische Literatur (Jeschurun VIII. Jahrg. Heft 9/10) wurde in grösserem Zusammenhang versucht, die Stellung Zangwills als Romanschriftsteiler zu umreissen. Schon da konnten wir das geniale Ausmass, das grosse Rollen und Können des Menschendarstellers beobachteu, der mit dramatischer Eindringlichkeit eine Welt von Gestalten in seinen Romanen zum Leben erweckt, grössten Realismus mit echtem Brudermitgefühl vereinend. Jedoch wenig konnten wir von einer Problematik in seinen Werken wahrnehmen, der Romanschriftsteller wurde nirgends zum Streiter für eine Gegenwartsfrage, er war mehr objektiver Beobachter und Berichterstatter der Wirklichkeit, mehr Kulturschilderer als Reformator oder leidenschaftlicher Kämpfer um die Erkenntnis der Wahrheit. Erst in seinen dramatischen Werken, von denen wir einige im folgenden einer Besprechung unterziehen, tritt Zangwill aus seiner Reservestellung des Beobachters und Gestalters von Menschentypen als Streiter hervor, um in leidenschaftlicher Parteinahme zeitbrennendeProblemfragen auf der Bühne aufzurollen und sie zu einer Lösung, einer selbstgefundenen Lösung zu bringen. In dem einen Drama geht es um die soziale Frage des jüdischen Volkes, in dem andern um die Ewigkeitsfrage der ganzen Menschheit, um die Form der Religion unserer nächsten Zukunft. Es sind also Kampfdramen, Thesenstücke, die die Nöte unserer Zeit, insbesondere das