Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1922)
- Date
- 1922-07-01
- Page
- Seite 247 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2292929-2293011-2293016--05712-2298995- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Zabrze 1× ep/1048183
OCR text
Hillel und die Bne Batyra 247 Hillel und die Bne Batyra. Von Rabbiner Dr. S. Kaatz in Hindenburg־ O/S. I. Der an drei Stellen (Tos. Pes. IV 1, Jer. Pes. VI1, B. Pes. 66 a) im Talmud überlieferte Bericht über das Auftreten Hillels vor den Batyrenischen Aeltesten hat eine überaus grosse Literatur erzeugt. Aber trotz der zahlreichen Versuche, die gemacht worden sind, den Vorgang in einer befriedigenden Weise aufzuhellen, bleibt noch vieles zurück, was dunkel erscheint. Manche von ihnen weisen Willkürlichkeiten auf und werden schon dadurch der Sache nicht gerecht. Es herrscht darin vielfach die irrige Meinuug, Hillel habe mit den ״sieben Deutungssregeln“, die er nach Sifra Anf., Tosefta Sanhedrin VII11 den Batyrenern gegenüber anwandte, eine ganz neue Methode eingeführt, die vorher unbekannt gewesen und daher als eine unberechtigte abgelehnt worden sei. Aber das behaupten, heisst behaupten, Hillel habe die Schriftauslegung erfunden. In Wirklichkeit hat er altüberlieferte und längst vor ihm angewandte Methoden zwar, wie angenommen werden kann, in einen Kanon gebracht oder einen bereits vorhandenen, aber schwankenden Kanon durch seine überragende Autorität zu einem offiziellen erhoben, er hat vielleicht diesen Deutungsmethoden oder einigen von ihnen ihren prägnanten Namen gegeben, der fortan zu einem obligaten Terminus wurde. Aber diese seine ״sieben Regeln“ sind ihrem Wesen nach nichts anderes als verstandesmässige Schriftauslegung8methoden, die als entwicklungsfähige Ansätze ihm überkommen von ihm weiter ausgebildet und in einer umfassenderen Weise angewandt wurden; dergestalt dass sie durch seinen entscheidenden Einfluss zu neuem Leben erweckt und zu neuem Ansehen erhoben wurden und der autorativen Gesetzeserforschung fortschreitend wachsende Schriftauslegungsmöglichkeiten boten. Wir werden eine grössere Klarheit gewinnen über das Wesen der Methode, durch die Hillel den Batyrenern die Wahrheit