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Jeschurun · 1922-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1922) · p. Seite 243

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1922)
Date
1922-07-01
Page
Seite 243 (sequence 3)
Language
German
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Einiges aus dem Ideenkreis usw. 243 unnötig erklärten. Im Chassidismus wird nun die allegorische Deutung auch auf die mündliche Lehre angewendet. Auch hierfür liegen allerdings die Anfänge schon in früherer Zeit; so werden bei dem Kabbalisten R. Isak Lurja und seinen Schülern Mischnastellen allegorisch erklärt. Im Chassidismus aber wurde die allegorische Auslegung der Mischna und des Talmud zu einem ganzen, weitverzweigten System ausgebaut. Alles, was uns die Thora bezüglich des Erlaubten und Verbotenen, des Tauglichen oder Untauglichen, des Reinen und Unreinen gebietet, ist nur ein Bild der Auslese (ביתר), des Strebens, das Geniessbare aus dem Ungeniessbaren, das Gute aus dem Bösen, das Reine aus dem Unreinen zu befreien und es zur Stufe der Heiligkeit zu führen. Diese Art der Auslegung und Umdeutung drohte aber mit der Zeit zu einer ernsten Gefahr für das Judentum zu werden. Wie in der Epoche der Philosophie, so führte sie auch hier allmählich zu einer Geringschätzung des einfachen und natürlichen Sinnes. Wer die Thora wörtlich auffasste, galt als unverständig und geistig zurückgeblieben, als ein Tor, der nur die Aussenseite der Thora wahmehme, aber fiir ihre Seele keine Empfindung habe. R. Senior Saiman schlug auch hier einen Mittelweg ein. Er, der grosse Gelehrte und Talmudkenner, konnte die Bedeutung des hergebrachten Talmudstudiums für das Judentum unmöglich gering achten; dennoch sieht er als Chassid in den halachischen Bestimmungen, ja, auch in den agadischen Erzählungen des Talmud Hinweise auf tiefe, göttliche Geheimnisse. Die Beschäftigung mit der Thora an sich ist über alle Massen wichtig; denn durch sie gelangen wir zu der Vereinigung mit Gott. Wer beispielsweise eine Haiacha in der Mischna oder Gern aff a klar und genau verstanden hat, der hat sie gleichsam mit seinem Geiste ergriffen und umfasst, sein Geist ist mit ihr in innigster Verbindung. Diese Haiacha aber ist der Ausdruck der Weisheit und des Willens Gottes; er hat bestimmt, dass bei einem so und so gelagerten Streitfall die Entscheidung 80 und so sein soll. Und selbst wenn dieser Fall niemals eintreten sollte, so hat doch der Mensch, der jene Entscheidung gemäss

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