Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1922)
- Date
- 1922-05-01
- Page
- Seite 239 (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
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B ücherb esprechunge n 239 Gebiet des Dämonischen, das durchaus nicht immer das Negative, das gradezu sinnlich-groteske Hindernis für die seelische Entfaltung ist, sondern ein ganz positives und bejahungswertes seelisches Phänomen sein kann und bei allen wahrhaft Grossen auch war. — Einige Ungenauigkeiten über philosophische Denksysteme finden sich leider auch. — Viel persönlich Bekennttnishaftes scheint vorhanden zu sein, also seelische Wahrheit, Tatsächlichkeit und grosse religiöse Schau. Aber der Wirbel der Gefühle wurde in einem Wirbel der Gestaltung allzu fühlbar, und so wertvoll auch der eigentliehe Sinn, das persönliche Pathos, die ganze Problematik sind, wir müssen diesen Formungsversuch gerechterweise als unzulänglich und vorläufig bezeichnen.- Dem Prediger gelten 2 kurze von E. M. mitgeteilten Predigten, 3 aus der chassidischen Gedankenwelt entnommene Predigten von Martin Buber, ein kleiner Aufsatz von Joseph Prager ״Vom Predigen-Hören“ und eine inhaltsreiche geschichtliche Skizze von Max Michael ״Von der Kanzelpredigt.“ Uebersetzungen jüdischer Gebete sind noch vorhanden; von Eugen Mayer (״Räumet räumt, macht Bahn!“) eine pathetische Paraphrase über mancherorts vorhandenes lebloses Judentum, sinnentstelltes ja sinnloses religiöses Dasein, ohne dass allerdings die religiös-schöpferischen Kräfte gesehen werden; das Ganze etwas unerquicklich und platt. — ״Lebendiges Gesetz und Schönheit der jüdischen Welt“ vermittelt allerdings in gewisser Unsicherheit und Verschwommenheit manch tiefere Deutung jüdischen Gedankentums. Robert Weiss (JüdischerSozialismus) beschwört (wie es schon öfter gegeschah) für den Wiederaufbau vonErez Israel alle religiösen und sittlichen Schöpferkräfte unseres Bewusstseins. Nur im Bewusstsein einer wahrhaft innerlichen Wiedergeburt ist das Werk gerechtfertigt. Der Schlussabsatz des schönen Aufsatzes lautet: ״Der Neubau in Erez Israel wird kein politisches oder wirtschaftliches Werk sein. Er wird zur religiösen Tat werden. Die Erkenntnis reift, dass wir uns aus den Verstrickungen der europäischen Katastrophe nur dann lösen dürfen, wenn wir gewillt sind, unsere nationale Wiedergeburt in einen grösseren Zusammenhang einzuordnen, der mit dem Entstehen einer jüdischen Gesellschaft erlöster, arbeitender Menschen beginnt und mit der Heiligung der Welt endet. Gegeben sind uns die Lebensformen unserer Väter. Sie behüten uns in dunkler Zeit, in der die neuen Früchte in uns reifen.“- _ Dr. WeyL J. Zangwill: Auserwählte Völker. Das alt jüdische Ideal im Gegensatz zum Germanischen. Mit Geleitwort von F. Perles, Berlin 1922, Verlag Siegfried Cronbach. Mit viel historischer Verbrämung, weniger übersichtlich, wird die altjüdische Lebensauffassung aus den Quellen dargelegt, in einem Vortrag Zang-