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Jeschurun · 1922-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1922) · p. Seite 238

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1922)
Date
1922-05-01
Page
Seite 238 (sequence 62)
Language
German
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288 Bücherbesprechungen freie Geist, die erfahrangsmässige Weltbetrachtung nur das Allgemeine; erst in dem Offenbaren, im Ruf der Höhe würden die Menschen als ״Wir“ geeint Nun ist allerdings für meine Begriffe alles noch viel zu aphoristisch ausgeführt; und es bleibt sehr notwendig, die bisher mehr formal, auch etwas schematisch gefassten Begriffe: ״Mystik“, ״freier Geist“, ״Offenbarung“ noch mit dem ganzen flutenden Leben zu füllen. Dann erst mag man restlos inhaltlich Stellung nehmen. Was bisher vorhanden, zeigt unter einer oft krausen ja barocken HüUe das Ringen eines ehrlichen doch fast verkrampft-gewaltsamen Geistes. — Siegfried Krakauer (Gedanken der Freundschaft) entwickelt in liebenswürdiger Weise analystisch und phänomenologisch Typen der Freundschaft, ohne sie allerdings hier aus dem umfassenden Persönlichkeitliehen Bewusstsein abzuleiten, zu beleben und zu einander in Beziehung zu setzen, sodass hier nur eine Statik, keine Dynamik gegeben worden ist. Vielleicht findet sie sich im ersten vor Jahren im ״Logos“ erschienenen Teil, der mir bisher unzugänglich blieb. — In einer kleinen Betrachtung (Figur und Idee) weist Rudolf Halle den ״figuralen“ Wesenszug der griechischen Raumgestaltung an dem Pantheonfries auf. — Ernst Simon (Platon und die Tragödie) untersucht gedankenreich des späteren Platon ablehnendes Verhältnis zur Tragödie und Kunst und fügt zur bekannten Deutung Nitezsche’s ein neues schönes Motiv. Die ״Gesetze“ sollten den Staat ermöglichen, in dem auch Sokrates (dieser Revolutionär, aber noch nicht zur neuen Polis Gelangte) hätte leben können. Ueberlegt man genauer und fasst Nitezsche’s Auslegung weit genug, wird man Simon’s Motiv auch bei Nietzsche mindestens stark angedeutet, wenn nicht gar auch ausgesprochen finden. Denn schliesslich liegt es in der gleichen Systematik des Gedankens, P1 a t o n ’ s ״Kunstauffassung als starre Konsequenz des sokratischen Urteils über die Kunst“ zu nehmen und den utopischen Staat der Gesetze als Verwirklichung für dieses sokratische Denkertum hinzustellen. Jedenfalls ist das Simon’sche Motiv durchaus beachtenswert und die ganze kleine Arbeit schön und gedankenvoll. — In einem religionsphilosophischen Entwurf (Das Dämonische) möchte Leo Löwenthal das Verzerrte, ja Krause und Verworrene im heutigen und wohl auch allzeitlichen Seelentum gestalten. Die Arbeit ist selbst noch so uneinheitlich, dass gar keine eigentliche Darstellungsmethode vorhanden ist: phänomenologische, analysierende, psychologische, ja sogar erkenntniskritische Tendenzen vermengen sich zu einer eigentümlich bizarren Darstellungsart, die aus einer Methode sofort in eine andere verfällt und noch unfähig ist, die oft bedeutenden überschäumenden Gefühle auch nur annähernd zu formen. Philosophisches Pathos und lebendige Rätselhaftigkeit des Bewusstsein leuchten entgegen, in dunkles Gewand, verhüllt. Manche Denkfehler finden sich; z. B. gar keine klare Abgrenzung im weiten seelischen

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