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Jeschurun · 1922-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1922) · p. Seite 240

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1922)
Date
1922-05-01
Page
Seite 240 (sequence 64)
Language
German
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240 Büche rbesprechungen wilTs in der Jewish Historical Society of England am 31. III. 1918. Die universalistische Tendenz des Judentums, seine Erwähltheit als Aufgabe"^ und Verpflichtung werden richtig dargelegt, manche klugen Parallelen zur Weltgeschichte, bes. zur englischen Geschichte gezeigt. Allerdings weisen wir eine Anzahl rethorischer Superlative entschieden zurück, so z. B. wenn Maximilian Harden als erster Vertreter jüdischer Kultur in Deutschland bezeichnet, wenn den Juden die einzige Kultur in Deutschland zugeschrieben, wenn Judentum und Christentum (nicht der Idee, sondern auch der Erscheinung nach) als kaum von einander unterschieden hingestellt wird usw. usw. Ueberhaupt lehnen wir einige historische und weltanschauliche Ungerechtigkeiten ab, bes. seine erhebliche Missdeutung mancher deutscher Geistererscheinungen, wie z. B. Nietzsche’s. Dennoch ist an geschichtlichen Anregungen, in Yerarbeitung jüdischer Kenntnisse und wegen Vermittlung mancher wissenswerten englischen Literatur der Aufsatz wertvoll. Dr. W e y 1. Heinrich Rickert: Die Philosophie des Lebens. Darstellung und Kritik der philosophischen Modeströmungen unserer Zeit. Tübingen, I. C. B. Mohr, 1920. Der grösste Teil der zeitgenössischen Philosophien hat einen mehr oder minder klaren, jedenfalls aber leidenschaftlich erfassten Lebenabegriff in den Mittelpunkt des Denkens gestellt. Nicht das eigentlich tief Schürfende, mehr das Modische soll von Rickert dargetan werden, was ja schon eine immanente Kritik bedeutet. Jedenfalls ist eine grundlegende Komponente aller der zur Beurteilung stehenden Denkrichtungen ein gewisser Irrationalismus, wie er im Lebensbegriff selbst schon enthalten ist. — Es ergeben sich weitere Zusammenhänge zu früheren philosophischen Systemen: zu Hamann, Herder, F. H. Jacobi, Goethe, Fichte, Schelling, zu Friedr. Schlegel, Novalis u. a. Der Neuzeit zugehörig doch gleichwohl schon historisch sind Schopenhauer, Nietzsche, Bergson; dann: Simmel, Dilthey, Husserl, Scheler, Eucken, Yaihinger, Steppuhn, Spengler usw. Deren anscheinend so disparaten Gedankengänge klären sich bez. ihrer inneren Zusammengehörigkeit in einem niemals gleichartig gefassten, aber nach der Erlebnisseite hin ausserordentlich ähnlichen Lebensgefühl, das sich je nach Denkrichtung als erkenntnistheoretisches, metaphysisches, biologistisches, Kultur- und geschichtspbilosophisches Philosophen! entwickelt und ab wandelt. Auf das geistreiche und lebendige kleine Werk^ das allerdings nach eigenem Vorsatz nicht die letzten systematischen Tiefen, vielmehr bes. die vom populären Denken lebaft erfassten auch allgemeinverständlichen Zusammenhänge kritisch darlegt und so einen wertvollen Ueberblick auch über manche religiöse Grundrichtungen unseres Zeitalters gibt, kann mit Nachdruck und Sympathie verwiesen werden. Dr. W e y 1. Verantwortlicher Redakteur Dr. J. Wohlg־emuth, Berlin. Druck von H. iizkowski, Berlin N. 24 Aug־uststr. 69.

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