Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1922)
- Date
- 1922-05-01
- Page
- Seite 237 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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Ricarda Huch und Wir 287 Als Zeitkritik hat das Buch seine Verdienste, wenn es auch längst nicht tief genug schürft. — Noch ein grundlegendes Wort vom Standpunkt des Judentums. Heute ist es allen Gebildeten leicht gemacht, die Vielfalt jüdischen Geistes- und Geschichtslebens auch in deutscher Sprache zu erfahren. Hat sich Ricarda Huch darum bemüht? Da sie über das Judentum ganz prinzipiell urteilt, sollte man es vermuten dürfen. Anscheinend aber hat sie es doch nicht getan. Was sie über das Judentum weiss und berichtet. — es steht an markantester Stelle schon zu Anfang des Buchs — zeugt von beklagenswerter Ignoranz. Sie erhebt sich zur grotesken Verkündigung: Jüdisch-sein und Erstarrt-sein seien etwa als die beiden Seiten einer identischen Gleichung hinzustellen. Dagegen allerdings können wir nur ein kleines coliegium historicum an raten, auch einen wenn auch nur bescheidenen Einblick in die tiefen religiösen, künstlerischen, philosophischen Strömungen der mehrtausendjährigen Gesclftchte des Judentums. Biicherbesprechu ng e n. Gabe. Herrn Rabb. Dr. Nobel zum 50. Geburtstag dargebracht. J. Kauffmann, Verlag, Frankfurt a. M. 56S2. Dem verehrten, nun allzufrüh dahingeschiedenen Lehrer haben Freunde, Schüler und Verehrer eine Gabe dargebracht. Die verschiedenartigsten Gedankengänge sind hier in der Liebe zum Lehrer vereinigt, als Ausdruck des Selbst und eigensten Innern, für ihn objektiviert oder veröffentlicht. Dieser ״Gelegenheitscharakter“ verbirgt sich auch nicht, und die Seelenäusserungen sind als Geschenk betrachtet schön, als geistige Gestaltungen aber z. Teil nicht restlos ausgereift; als Gabe der Verehrung nur dankend zu empfangen, als Gabe für die Ewigkeit z. Teil nieht vollendet. So schicken auch wir als Erstes den Dank für diese Verehrungszeichen voraus, um uns nun in einzelner Besprechung zu vertiefen. Sonett und Widmung gehen voran, 3 Briefe Hermann Cohen’s über Gottfried Keiler und eine Widmung NobeFs an den den 70jährigen Cohen. Was jetzt folgt, ist Versuch denkerischer Weltbewäitigung. — Eduard S t r a u s s (Mystik, freier Geist und Offenbarung) erörtert 8 hauptsächliche Geisteshaltungen, nur nicht ganz mit scharfer gedanklicher Strenge, mehr in einer apostrophal-pathetischen Anrede, daher auch einem ״Buch in Briefen״ entnommen. Kurz gesagt: die mystische Haltung kenne nur das Ich; der