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Jeschurun · 1922-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1922) · p. Seite 235

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1922)
Date
1922-05-01
Page
Seite 235 (sequence 59)
Language
German
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׳ Ricarda Huch und Wir 23h daran ein Beispiel nehmen und sich wieder bemühen den Geist des Judentums zu erfassen, dann werden auch ihre Friedhöfe wieder jüdische Eigenart und Kunstwert aufweisen. Ricarda Huch und Wir. Eine Kritik.1) von Dr. Hermann Weyl (Frankfurt a. Main). Erfolgreiche Auseinandersetzung mit der Dichterin wäre tatsächlich nur in weiterem Rahmen möglich. Hier lieferte sie ein Weltanschauungsbuch, das eigentlich keine Einsichten, Erkenntnisse, haltbare Thesen usw., mehr Deutungen, temperamentvolle Schauungen voll Leidenschaft und Einseitigkeit vermittelt. Philosophisch ist alles vollständig unhaltbar. Künstlerisch bietet sie. eine Weltansicht, die der ursprünglichen. Tendenz nach wohl einen zugleich monotheistischen und pantheistischen Kosmos meint; bald aber muss die christliche Trinität doch auch mit einbezogen werden, und es ergeben sich Gewaltsamkeiten, vollständig unhaltbare Symbolismen, die Gott als Vater, als Sohn und als heiligen Geist genug tun sollen. — Was ist das Wertvolle? Ein zur Einheit drängender Geist verficht die innere Göttlichkeit des Weltalls und beklagt die Entpersönlichung des Zeitalters, ja ganzer Epochen als den eigentlich sündhaften Trieb. Was aber ist hier Entpersönlichung? Dass jedes Ideal persönlicher Vervollkommnung, dass jedes Persönlichkeitsmotiv im Individuellen, im Staatlichen, im Politischen, in Geschichte und Erkenntnis durch die ״moderne wissenschaftliche Weltanschauung״ aufgehoben sei. Der denkende Mensch (hier merke man auf) sei ״beziehungslos״. Ueberhaupt ist das Denken, der Verstand (wie wir wohl in ihrem Sinn erganzen dürfen), das Verhängnisvollste, was dem Homo sapiens als ein Danaergeschenk je gereicht werden konnte. Was aber sei das Wertvollste? Eine Art persönlichster Seihsteinbeziehung נ) Ricarda Huch: Entpersönlichung. Insel-Verlag, Leipzig 1921.

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