Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1922)
- Date
- 1922-05-01
- Page
- Seite 234 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
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234 Jüdische Friedhöfe einst und jetzt dient diese nur zur symbolischen Andeutung von Haus oder Namen. Da es sich zumeist um kleine Medaillons oder Schilder handelt, schliesst der zur Verfügung stehende Raum eigentlich jede erzählende Wiedergabe von selber aus. Dass dieser Schmuck nicht aus Palästina mit gebracht ist, dürfte ohne weiteres einleuchten. Im Altertum sind im eigenen Lande und auch in den exterritorialen Judensiedlungen auf den Steinen und den Wänden der Grabanlagen und auf den Beigaben ganz abstrakt wiedergegebene Zeichnungen angebracht, so z. B. der Thoraschrank, Lulaw und Esrog, das Schofar, Oelkrüge, Palmbäume, Löwen, Vögel, Fische und siebenarmige Leuchter 3). Symbole, die dem überaus naturalistischen Schmuck der heidnischen Antike unähnlich waren und sich zur selben Zeit nur noch bei jüdisch beeinflussten Christengemeinden finden und als etwas speziell jüdisches angesehen werden dürfen. Wie schon die alten In- Schriften, so müssen auch die alten Symbole als die unserer Zeit überlegenen bezeichnet werden, sticht doch allein der Reichtum der alten Symbolik gegen unsere armseligen David- Schilder gewaltig ab. Auf jeden Fall können wir feststellen, dass die jüdischen Friedhöfe unter Berücksichtigung von Zeit; Ort, Material und Entwicklungsmöglichkeiten vom grauen Altertum bis auf die Zeit vor etwa 100 Jahren künstlerisch gut, gelegentlich sogar besser als die der Umgebung zu nennen sind. Im letzten Jahrhundert ** ist trotz bürgerlicher Freiheit, gesicherter Rechtslage und stets wachsenden Wohlstands, die eigentlich die Entfaltung einer jeden Kunst fördern, nur ein grosser Rückschritt zu verzeichnen. Aus diesem Zustand ist die jüdische Gemeinschaft noch nicht herausgekommen, obgleich die Umwelt bereits vor dem Weltkriege begonnen hat, aus der Kenntnis der Werke der Vergangenheit Neues, Eigenartiges und ästetisch Befriedigendes zu schaffen. Der Aufschwung wurde nicht etwa durch blosse Nachahmung der wiedergefundenen Motive erreicht, sondern durch ein Eindringen in den die Formen schaffenden Geist. Mögen sich die Juden 8) Damals scheinbar das Abzeichen der jüdischen Gemeinschaft^