Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1922)
- Date
- 1922-05-01
- Page
- Seite 233 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Friedhöfe einst und jetz 233 jüdischen Gemeinschaft, überschätzen jedoch auf jeden Fall dies Zeichen. Das Hexagram findet sich zuerst mit anderen Band־ Verschlingungen als Wanddekoration einer gaiiläischen Synagoge etwa aus dem ö. Jahrhundert und ist ohne Zweifel gnostischen Ursprunges. Seine Wiedererstehung hatte es einer verwandten, geistigen Strömung zu verdanken, der Kabalah. Gänzlich unverständlich bleibt es, wie die rationalistische Zeit der Jahrhundertwende an diesem geheimnisvollen Zeichen einen so übergrossen Gefallen finden konnte? Auf Grabsteinen erscheint es um 900 in Italien, jedoch im Zusammenhang mit dem Namen David; ein Brauch, der selten nachgeabmt werden ist. Finden wir die sefardischen gleich den nichtjüdischen oft mit Grab־ malern *) bildlichen Darstellungen religiöser, biblischer oder auf den Tod bezüglicher Szenen geschmückt, so müssen wir das als eine, durch das erzwungene Marannentum übernommene Gewöhnheit ansehen. Auf jüdischen Grabsteinen werden sonst gemäss der spirituellen Geistesrichtung der Juden keine der natura־ listischen Wiedergaben der Umgebung, Vergangenheit, oder Einbildung angebracht, sondern mehr oder minder stark abstrahierte, symbolische Zeichen. Zwei segnende Priesterhände bezeichnen den ״Cohen״, ein Waschgerät den ״Leviten״, die Krone bedeutet Gelehrsamkeit, Wohltun oder Macht, es kommen also auch zwei oder drei Kronen vereint vor. Eine geknickte Rose erinnert an ein im zarten Jungfrauenalter beendetes Leben, ein zerbrochenes Licht an eine verstorbene Frau, ein gefällter Baum an einen Mann, der in den besten Jahren von hinnen schied u. s.f. Zahlreich sind die Andeutungen auf die Namen, besonders die der Tiere, auch auf die Hausmarken, die die Namen oft erst hervorriefen (Rothschild). Zuerst erscheint es einem etwas sonderbar, wenn man Adam und Eva völlig nackt unter dem Apfelbaum in unverfälschter Renaissanceauffassung oder einen Affen, ein Kamel oder Aeknliches auf dem oberen Zwickel eines jüdischen Grabsteines steht. Nicht die Darstellung der biblischen Szene oder des fremdländischen Tieres ist beabsichtigt, vielmehr 2) In Altona bei Hamburg und in Ondekerg in Holland.