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Jeschurun · 1922-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1922) · p. Seite 198

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1922)
Date
1922-05-01
Page
Seite 198 (sequence 22)
Language
German
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198 Die ReligionsphilosopUe Hermann Cohen’s für die religiöBe Aufgabe des Menschen. Unter den dreizehn Eigenschaften Gottes findet sich nicht die Eigenschaft des Sein, es sind nach dem Wort des Maimonides nur »Attribute der Handlung“. Was aber kann die Handlung bei Gott bedeuten oder vielmehr welchen anderen Zweck kann sie haben, als Musterbild, Urbild zu sein für die Handlung des Menschen? Es sind nach Cohen vorzüglich zwei Begriffe, durch welche die sittlichen Eigenschaften Gottes zusammengefasst werden: Heiligkeit und Güte. In dieser Heiligkeit wird Gott der Gesetzgeber des Menschen, der ihm Aufgaben stellt. ״Und nur als Heiliger kann er diese Aufgaben stellen; denn die Heiligkeit schon nach ihrer ursprünglichen Bedeutung entrückt Gott von aller Sinnlichkeit and diese Erhebung über die Sinnlichkeit ist es, die auch dem Menschen aufgegeben wird“ und diese Heiligkeit, die auch nur mit Rücksicht auf den Menschen aus dem Sein Gottes sich scheidet, ist keine einzelne Eigenschaft, sondern eine Einheit, für alle Eigenschaften der Handlung. Für den Menschen ist sie sein Anteil an Gott, sein Anteil am Sein. Ohne den Zweck der Heiligkeit wird das Wesen des Menschen nichtig, die Heiligkeit ist sein Zweck, den ihm Gott als Aufgabe stellt. Von hier aus auch wird es klar und verständlich, wie aus der Einzigkeit Gottes selbst die Hingabe des Menschen an Gott und die ausschliessliche Hingabe an Gott gefordert werden kann und gefordert werden muss. »Wäre Gott nur ein Gegenstand der Erkenntnis, dann könnte er nicht der einzige Gott sein“, denn die Erkenntnis hat noch ganz andere Objekte und Probleme. Der einzige Gott muss daher ein anderes Verhalten des menschlichen Geistes zu ihm bedingen. ״So wird die Liebe eine Erfordernis dieses Verhaltens zum Einzigen. So wird das Bekenntnis zu einer neuen Tat des Bewusstseins, zu einer Handlung, zu einem Urakt des sittlichen Bewusstseins, des Willens in seiner Eigentümlichkeit, in seinem Unterschiede von der erkennenden Vernunft.“ Diese Liebe zu Gott entwurzelt allen Quietismus, der überaU dort entstehen kann, wo der Schwerpunkt in der Erkenntnis- Sphäre ruht. Diese Hingabe an Gott schliesst auch die Aner-

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