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Jeschurun · 1922-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1922) · p. Seite 197

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1922)
Date
1922-05-01
Page
Seite 197 (sequence 21)
Language
German
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Die Religionsphilosophie Hermann Cohen’s 197 Pantheismus ist für Cohen nicht Religion, ist der Todfeind der wahren Religion, weil er Todfeind jeder systematischen Ethik. ״Nur Gott hat Sein, nur Gott ist Sein, die Welt ist Schein44. Es gibt nur ein einziges Sein und dieses Sein ist Gott und er ist nicht das Sein und nicht das Eine, sondern der Einzigseiende. Schon die Verneinung aller Zusammengesetztheit, die in der Einzigkeit zum Ausdruck kommt, will die Identifizierung von Gott und Welt ausschliessen. Diese Einzigkeit bedeutet auch Unterscheidung zwischen Sein und Dasein. Das Dasein wird von den Sinnen bezeugt, von der Wahrnehmung. ״Hier schon bewährt sich der Anteil der Vernunft am Monotheismus, denn die Vernunft ist es, die gegen den Sinnenschein, der dem Dasein Wirklichkeit verleiht, das unsinnliche Sein entdeckt, das Unsinnliche zum Sein erhebt, als das Sein auszeichnet.44 Raum und Zeit sind keine Schranken für das göttliche Sein. Er ist der Ort der Welt, er ist die Schechina, das ewig Ruhende, das Unveränderliche, er ist der Ewige, der ewig Beharrende und ewig Seiende. Die Bedeutung dieser Einzigkeit, dieser absoluten Transzendenz Gottes liegt auf dem Gebiet der Ethik. Seine Einzigkeit ist nichts anderes als die Einzigartigkeit der ethischen Erkenntnis, nichts anderes als die Einzigartigkeit des Geistes, seine Unterschiedlichkeit von aller Materie, Gott ist einzig, das bedeutet Gott ist Geist. Dieser Geist ist es, der zum Grundbegriffe der Religion, zum Vermittlungsbegriffe zwischen Mensch und Gott wird, dieser Geist ist es, der die Korrelation zwischen Gott und Mensch vollziehen kann, denn der Mensch ist ja im Ebenbilde Gottes geschaffen, Gott hat seinen Geist, nach dem Worte des Jecheskels, in das Innere des Menschen gelegt. Der Geist des Menschen kann freilich mit dem Geist Gottes nicht verglichen werden. Ist Gott der Geist als Seiendes, so ist im Menschen der Geist als Werdendes, als Aufgabe, die ihren Sinn und ihre Bedeutung auch erst in den sittlichen Forderungen findet. Dieser Geist ist aber nichts anderes im Grunde als der Geist der Heiligung, der Geist der Heiligkeit, durch die Gott Vorbild, Urbild wird für die sittliche,

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