Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1922)
- Date
- 1922-05-01
- Page
- Seite 196 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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196 Die Religionsphilosophie Hermann Cohen’8 wenn er für sich Menschen in den Tod senden würde, es wäre ein sittliches Verbrechen. Doch wir werden im Schlusskapitel;1uf diese Zusammenhänge noch eingehen müssen. Für jetzt wollen wir, nachdem wir unter Uebergehung all der Fragen nach den Quellen und ihrem Werte doch einen Boden zur Auseinander- .setzung gefunden haben, rein referierend uns verhalten. Wir wollen dem gewaltigen Systembau Cohens folgen, auf dem wir zur besseren Uebersicht die drei wesentlichen Gedanken״ komplexe herauskristallisieren können. 1. Die Idee des Monotheismus 2. Der Messianismus und 3. Das absolute Individum der Religion. Nach den drei wesentlichsten Objekten der Religion : Gott, Menschheit und Individum. II. Gott und Welt. a) Gott: Das Wesen des jüdischen Gottesbegriffes liegt für Cohen nicht so sehr in seiner Einheit, die ja nur ein negatives, ein numerisches Merkmal wäre, als vielmehr in seiner Einzigkeit. Diese Einzigkeit hat positive Bedeutung. Gott wird im Judentum gedacht als der Begriff des Seienden. ״Ich bin, der ich bin“ oder besser: ״Ich werde sein, der ich sein werde״ mit diesen Worten offenbart sich Gott dem Mose. Der Stamm des ״Seins״ liegt dem heiligsten Gottesnamen zugrunde. Dieses Sein ist aber ein einzigartiges. Es ist das Sein, das einzige Sein, demgegenüber nichts anderes Anspruch auf Sein erheben darf, demgegenüber Welt und Menschen versinken. Schon die griechische Philosophie kennt jene Wechsel־ Wirkung von Sein, Einheit und Gott. Aber hier wird der Kosmos als Einheit gedacht (Xenophanes, Parmenides, Eleaten) und Gott und Sein mit dem Kosmos identifiziert. Das ist der Ursprung des Pantheismus, zu dem es keinen schärferen Gegensatz und Widerspruch gibt, als den monotheistischen Gottesbegriff mit seiner absoluten Transzendenz, mit. seinem absoluten Einzigsein, dass alles andere verschlingt und verzehrt. Aber