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Jeschurun · 1922-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1922) · p. Seite 192

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1922)
Date
1922-05-01
Page
Seite 192 (sequence 16)
Language
German
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192 Die ReKgionsphilosophie Hermann Cohen’s vorweg genommen und auszeichnend behandelt, weil es für die geistige Entwicklung* Cohens entscheidend und grundlegend ist für die gesamte religionsphilosophische Arbeit des Autors, — alles andere aber wollen wir der systematischen Darstellung Vorbehalten, wie sie der Meister selbst in seinem gewaltigen religiösen Bekenntnisbuche gab. Bekenntnisbuch, — denn s 0 allein dürfen wir Cohens letztes Werk verstehen, s 0 allein 1erklären, warum er sich mühte, aus den ״Quellen des Judentums״ abzuleiten, was er deduktiv bereits entwickelt hatte. Das Werk soll eine philosophische Apologie des Judentums eine Apotheose auf das Judentum sein. Das Judentum ״soll als Religion der Vernunft nachgewiesen werden“ und dadurch die philosophische Bestätigung seiner Wahrheit erlangen. Das Judentum ist für Cohen ein einheitlicher Begriff. Ueber alle Differenzen, über alle Gegensätzlichkeiten der geistigen und kulturellen Strömungen hinweg begründet ihm das Glaubensbekenntnis des שמע allein schon die Einheit, es ist der Sammelbegriff, unter dem alle Brüder sich finden, es ״verbürgt die Einheit des religiösen Bewusstseins.״ ״Man mag •noch so buchstabengläubig über die Opfer und über das ganze Zeremonialgesetz denken, die Einheit Gottes erhebt den Glauben zu einer spekulativen Höhe, vor der alle anderen Fragen zu Nebenfragen werden . . . und wer andererseits an dem vielen Beiwerk, dass auch den Kern der jüdischen Religion umlagert hat, Anstoss nimmt, sobald der Weckruf ״Höre Israel״ in ihm lebendig wird, schweigt alsbald aller Skeptizismus und 4 die Einheit Gottes befestigt die Einheit des religiösen Bewusstseins״. (Die Schwäche dieser Argumentation ist so augenfällig, dass sie auch die schwungvolle Predigergeste nicht verdecken kann). Diese Idee des einzigen Gottes ist auch das Kriterium für die literarischen Quellen des Judentums. Ihr gemeinsamer Ursprung ist der Nationalgeist des jüdischen Volkes, dessen einziger legitimer Gegenstand, dessen Urgrund die Idee des einzigen Gottes ist. ״Der Geist Israels ist bedingt durch

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