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Jeschurun · 1922-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1922) · p. Seite 188

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1922)
Date
1922-05-01
Page
Seite 188 (sequence 12)
Language
German
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188 Die Erwählung־ Israels Und das gleiche gilt für das Volksganze. Weniger hinsichtlichtlich des Sündenbewusstseins. Die furchtbaren und geradezu übernatürlichen Leiden konnten nicht als gerechte Strafe für begangene Verbrechen angesehen werden. Zu tief hatte das Wort Jesajahs42) Wurzel geschlageu, dass Israel das Doppelte für seine Sünden erfahren. Obwohl es auch hier nicht an mannigfachon Versuchen fehlt, Sünden der Vergangenheit heranzuziehen und bis auf die des goldenen Kalbes als Ursache für die Leiden der Gegenwart zurückzugehen. Umsomehr ist alles auf die Hoffnung gebaut, auf die unvergleichlich herrliche Zukunft. ימות המשיח תהית המתים עולם הנא sind die Etappen des wirklich gewordenen Gottesreiches, in dem alle Diskrepanzen sich lösen, die Leiden hinieden nur eine Folie sind für ein Glück, das kein Auge, selbst das der Propheten geschaut43.) Sicherlich ist es falsch, wie das von den neueren christlichen Gelehrten geschieht, die Entstehuug des Unsterblichkeitsglaubens in Israel auf dem Wege über die nationalen Hoffnungen zu erklären, die Lehre von der Auferstehung der Toten ausschliesslich davon abzuleiten, der Wunsch für die Leiden der vergangenen Geschlechter diesen ein Aequivalent zu geben, sei der Vater des Gedankens gewesen, dass diese in der Tat aus ihren Gräbern erstehen werden, um an dem dereinstigen Glücke teilzunehmen. Aber leugnen lässt sich nicht, dass auch die anderen Epochen, die der messianischen Zeit folgen: die Auferstehung der Toten und die künftige Welt vorwiegend unter Berücksichtigung des Volksganzen gedacht werden und die Fortdauer des Individuums und die Schilderung des Einzelschicksals in jener künftigen Welt mehr zurücktritt. So sehr, dass es manchmal zweifelhaft bleibt: Ist עולם הבא die Welt, in der ein jeder nach seinem leiblichen Tode eintritt, oder jene andere Welt, in der das Volksganze nach Vollendung der messianischen Zeit und der Auferstehung der Toten den höchsten Lohn erhält? Es ist klar, dass bei einer solchen Einstellung recht wenig dafür übrig bleibt, das Leiden Israels innerlich mit seiner Auf- 42) 40,2. 43) Berachoth 34 b.

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