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Jeschurun · 1922-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1922) · p. Seite 182

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1922)
Date
1922-05-01
Page
Seite 182 (sequence 6)
Language
German
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182 Die Erwählung Israels sie sind barmherzig, schamhaft und ron werktätiger Liebe“8). Die angeborene Demut zeigt sich bei allen markanten Persönlichkeiten der jüdischen Geschichte: Zu dem Verse9): ״Nicht deshalb, weil ihr zahlreicher seid als alle Völker, trug der Ewige Verlangen nach euch und hat auch erwählt, denn ihr seid das kleinste unter allen Völkern“ heisst es10): ״Gott spricht zu Israel: Ich habe solches Verlangen nach euch, weil dort, wo ich euch erhöhe, ihr euch immer erniedrigt. Ich habe Abraham erhöht, und er sprach: ״ich bin Staub und Asche“, Mosche undAhron, und sie sagten: ״Was sind wir denn“? David, und er sprach: ״Ich bin ja ein Wurm“. Während bei den anderen Völkern ihre ragenden Grössen: Nimrod, Pharao, Sanherib, Nebukadnezar die Erhöhung mit himmelstürmender Empörung und Gottesleugnung lohnten. Ein anderer bekannter Midrasch zeigt11), dass Gott Israel deshalb erwählt hat, weil es in seinen Ahnen und seinen ragenden Vertretern zu den Verfolgten zählte. Nachdem an der Geschichte dieser Nachweis geführt, schliesst er mit den Worten: ״Israel wird verfolgt von den Völkern, darum hat Gott Israel erwählt, wie es heisst: und dich hat der Ewige, dein Gott von allen Völkern erwählt, dass du ihm als Volk ein Kleinod seist“12}. Es ist das offenbar nicht in dem Sinne gemeint, dass Gott sich aus Mitleid der Verfolgten annahm, die Erwählung dieser Heroen fand ja vor ihrer Verfolgung statt. Vielmehr ist es der demütige, edle Charakter, dass sie lieber Unrecht leiden als Unrecht tun, der sie vor Gott der Erwählung würdig macht. Diese eigenartige Verbindung des Starken und des Schwachen, die zugleich für die ganze Zukunft Israels entscheidend war, weil sie ihm die seltene Zähigkeit gab allen Verfolgungen zum Trotz weiterzubestehen, hat der jüdische Prophet besser erkannt als der heidnische Seher: ״Die Verwünschung, die Achija aussprach, enthielt mehr des Guten als der Segen Bileams. Achija sprach: ״Und Gott wird Isral schlagen gleichwie das Schilfrohr 8) Jeb. 79 a. ») Dt. 7, 7. «) Dt. 7, 6. 10) Chullin 89 a. n) Lev. R. 27, 5.

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