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Jeschurun · 1922-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1922) · p. Seite 180

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1922)
Date
1922-05-01
Page
Seite 180 (sequence 4)
Language
German
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180 Die Erwählung Israels Stellung zur Gottheit, auf das innige Band, das Gott und sein Volk ebenso verbindet wie Vater und Lieblingssohn, wie den Liebenden und die geliebte Braut, wie "Gatte und* treue Gattin, wie Sohn und Mutter. Und noch eins wird vergessen, dass das alles ja auch in den Prophetenbüchern zu lesen, und wer die Bibel will, auch Talmud und Midrasch das Recht wird zugestehen müssen, das Lob des erwählten Volkes zu künden, Überschwanglicher als das Bibelwort, wie die Agadaprediger dithyrambischer sind als die Propheten und mit stärkerem Ausschluss der Straf- und Mahnrede aus den Gründen, die angeführt. Aber die Versuche, die uns in Talmud und Midrasch trotz alldem begegnen, die Erwählung Israels zu begründen, zeigen, dass diese auch hier als Problem empfunden wurde. In Kürze vorausgenommen lautet die Lösung: Israel ist erwählt um seines ihm eigentümlichen Volkscharakters willen. Nach der Art unserer Weisen in Talmud und Midrasch wird das freilich nicht in philosophischer Deduktion begründet. Aber ein gut Stück Völkerpsychologie steckt doch in den Aussprüchen, Schilderungen, vor allem in den Gleichnissen des Talmud und Midrasch. Sie alle laufen nun darauf hinaus, dass der Volks- Charakter Israels eine seltene und glückliche Verbindung des Zarten und Starken, des Weichen und Harten auf weist, die das Volk dafür befähigte, einerseits die schwere Aufgabe, die Gott mit der Erwählung verknüpfte, auf sich zu nehmen, andererseits sie trotz aller Hemmungen und Gefahren durchzuführen. Diese Eigenschaften werden einerseits a posteriori aus seiner Geschichte erschlossen, andererseits a priori als ererbte Anlagen erkannt. Im Namen R. Meirs wird überliefert1): Weshalb ward die Thora gerade Israel gegeben, weil sie עדם sind. עזים bedeutet hier dreist, wie das nachher durch den Ausspruch Resch Lakisch’s illustriert wird: Drei עדם gibt es: Israel unter den Völkern, den Hund unter den Vierfüsslern und den Hahn unter den Vögeln. Aber es liegt in dem Wort eine ganze Fülle von Nebenbedeutungen: stark, mutig, widerstandsfähig, unbeugsam,Charaktereigenschaften, die sich freilich äusserlich oft unsympathisch geben: ״Im Lehr- ג) Beza 25 b.

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