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Jeschurun · 1922-03-01 · Heft 3-4 (März 1922) · p. Seite 171

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 3-4 (März 1922)
Date
1922-03-01
Page
Seite 171 (sequence 91)
Language
German
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Hoffmaim-B ei träge 171 zur Zeit des Tempels auch die Benediktion ברכת השדם) ברך עלינד), die den Segen Gottes auf das Land erfleht, im täglichen Gebet rezitiert.*) Wie hätte sich da Jemand erlaubt, gegen solche althergebrachte, durch die Uebung der Jahrhunderte geheiligte Einrichtungen zu opponieren und zu sagen איד כדאי, שאתפלל על בית המקדש?! Allerdings konnte dies zur Zeit des Tempelbestandes nicht Vorkommen, wohl aber nach der Zerstörung des Heiligtums und der Verwüstung des Landes durch die Römer. Durch andere Berichte sind wir über die Stimmung jener Zeit unterrichtet; wir wissen, dass es Leute gab, die kein Fleisch mehr essen wollten, weil die Opfer aufgehört; die keinen Wein mehr trinken wollten, weil kein Trankopfer mehr auf den Altar gegossen wird; ja. es tauchte sogar der Gedanke bei manchem auf, die Institution der Ehe aufzuheben, damit das unglückliche Israel nicht neue Geschlechter hervorbringe, die einer düsteren, unglückseligen Zeit entgegengehen würden.1 2) Wie leicht ist es da denkbar, dass so mancher, von dem religiösen und nationalen Unglück niedergebeugt, in der schrecklichen Katastrophe das völlige Sichabwenden Gottes von seinem Volke zu erblicken geneigt war. Gott hat sein Heiligtum zerstört, — wie darf ich um dessen Wiederaufrichtung beten; Gott hat sein Land durch die Feinde verwüsten lassen, wie darf ich um dessen Fruchtbarkeit Gebetworte an ihn richten? — so fragten manche, und sicherlich gab es viele, die die Konsequenz dieser Gedankeng'änge ziehend, die auf das Heiligtum und auf das Land Israel3 bezüglichen Benediktion fortliessen. Dieser Auffassung und dieser Uebung musste entgegengetreten werden. Es musste zunächst aus einem Satze der Thora der Nachweis geführt werden, dass das Gebet jedes Menschen bei Gott Erhörung findet, sodann aber musste der Text dieser Benediktionen von der autoritativen Versammlung des בית דין festgesetzt und die Benediktionen selbst 1) S. Mischna Berackot (anonym!) und Taanit 1,1-3. Der Zasammenhang lehrt, dass diese Mischna der Tempelzeit angehört (vgl. כדי שיגיע אהרון שבישראל דגהר פרת, was sich aut die Wallfahrer der Tempelzeit bezieht). -’) S. Ab. d. K. Natan 4; Baba b. 60b; Tos. Sota Ende.

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