Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1922)
- Date
- 1922-03-01
- Page
- Seite 159 (sequence 79)
- Language
- German
- Belongs to
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Untersuchungen über die Entwicklung usw. 159 text in staunenswerter Weise vertraut war, bestand die Gefahr, dass die kurzen Schlagwörter, welche einen ganzen Bibelvers vertreten sollten, falsch aufgefasst, abgeschrieben und erklärt wurden. Und in der Tat stellt diese Art der Verzeichnisse nur einen vorübergehenden Zustand dar. Man entschloss sich bald auch die zu den Schlagwörtern gehörenden Verse zu bezeichnen. Grösste Kürze war aber auch hier für die Massoreten geboten; denn einerseits war nicht genügend Raum am Rande der Bibelhand- Schriften vorhanden, andererseits erleichterte die kurze Form der Massoraangaben deren mündliche Ueberlieferung, auf die wie auf allen Gebieten der jüdischen Wissenschaft trotz der schriftlichen Fixierung nach wie vor grosser Wert gelegt wurde.*) Die Bezeichnungsweise, die zu diesem Ende ausgebildet wurde, war die durch סיימנים. Man wählte aus den anzuführenden Versen je ein besonders charakteristisches Wort (bisweilen auch mehrere) so aus, dass diese, mit einander verbunden, einen (aramäischen) Merkvers mit einem mehr oder weniger geistvollen Inhalt ergaben3). Eine Uebergangsstufe bilden Listen, in welchen unmittelbar nach den Schlagwörtern die Verse in Form von סימנים (siehe im Text!) angedeutet sind. Ginsburg in The Massora IV S. 172 b § 12 erwähnt ein solches Beispiel. — Die Entstehung dieser Listen hat man sich in folgender Weise vorzustellen. Ursprünglich stand am Rande des Bibeikodex die Liste in Form von Schlagwörtern. Als sich allmählich die neue Art, nämlich die der סימנים, durchsetzte, fügte ein Massoret diesem Verzeichnis סימנים bei. Ein Späterer nun, der dieses aus dem Bibelkodex abschrieb, veränderte in seiner Gewissenhaftigkeit die Form der Liste nicht, trotzdem die Sehlagwörter durch סימנים überflüssig geworden waren. צ) Solche סימנים finden sich auch häufig im Talmud. Sie sind unseren Ausgaben (an den betreffenden Stellen) meist in Klammem beigefügt z. B. Chulin 4 a מכני״ס איזמ״ל בזכרי״ס. Es ist entweder zu übersetzen: ״er gebraucht das Beschneidungsmesser bei den Knaben״ oder ״er verhüllt das Messer wegen der Knaben״ als Reminiszenz an Sabbat 130a, wonach zur Zeit der Religionsverfolgungen das Be- 'Schneidungsme8ser verhüllt getragen wurde. Dies ist der Sinn des