Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1922)
- Date
- 1922-03-01
- Page
- Seite 125 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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Deutungsversuch usw. 125 dreimal (oder viermal} den Priestersegen sprechen au lassen; 2. Nach der Mischna’ (Taanith IV,) wurde an jedem Fasttage viermal der Priestersegen gesprochen,נ) also keineswegs bildete der Versöhnungstag mit seinem בעילה-Gebet und dem damit verbundenen Priestersegen eine besondere Ausnahme. Abrahams Kombinationen erweisen sich somit als der freien Fabulierkunst entsprungene Erfindungen. Bekannt auch die Widerstände, die sich dem ברכת כהנים schon früh entgegenstellten, da der Gedanke auf kam, als wollte das jüdische Gesetz den Priestern eine Mittlerrolle zwischen Gott und Laienmenschen (nach Art der christlichen Auffassung) einräumen. Schlimm wäre es, wenn Abrahams Interpretation des Priestersegens als wissenschaftliche Hypothese nur irgendwelche Wahrscheinlichkeit beanspruchen könnte. Wir wissen, dass unsere Weisen in verschiedenen Aussprüchen der Annahme einer Vertreterrolle des Priesters an Gottesstelle aufs entschiedenste entgegentreten2). Doch auch das glauben wir zu wissen, dass Abrahams geschmackvolle Deutung des Priestersegens als einer Totemzeremonie und der Priester als Totem-Imitatoren selbst bei den ärgsten Naturalisten auf wenig Glauben und Verständnis stossen wird. Wenn schon rationell gedeutet > werden soll, dann muss schon etwas mehr rat io aufgewendet werden! Noch gilt es zum Schlüsse einer gewissen undeutlich ausgesprochenen Ansicht des Hypothesenschmiedes Abraham entgegenzutreten, und zwar hinsichtlich der Wahl des Toraabschnittes und der Haftora-Vorlesung zum Mincha-Gottesdienst des Versöhnungstages: Neben dem Motiv der Auflehnung gegen den Vatergott, das Abraham wie Reik im Jaum-Kippur-Ritual aufgefunden zu haben glaubten, fehlt noch das zweite Hauptmoment aus dem Arsenal des J) s. Näheres: Elbogen, Der jüd. Gottesdienst in seiner geschiehtliehen Entwicklung, p. 68 f. 2) Reb Ismael lehrte: Israel erhält den Segen von den Priestern, aber von wem werden die Priester gesegnet? Es heisst: ״Und ich werde sie segnen“, das bedeutet, die Priester segnen Israel, aber ich (Gott) die Priester. (Cbulin 49 a), s. weitere Stellen Hamburger, R.E. II 938.