Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1922-03-01 · Heft 3-4 (März 1922) · p. Seite 124

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 3-4 (März 1922)
Date
1922-03-01
Page
Seite 124 (sequence 44)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2292929-2293011-2293014--05531-2298814
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

124 Deutungs versuch usw. innem. Also weittragende Schlüsse hieraus zu ziehen (ist doch das Ganze nur Symbol und spätere Zutat), ist wirklich Spielerei. Auch ist es willkürliche Geheim- und Wichtigtuerei von seiten Abrahams, bei der Gelegenheit zu behaupten, es sei eine merkwürdige Erscheinung, dass nach den Bestimmungen von Leviticus cap. 11 über die Kennzeichen der erlaubten Tiergattungen gerade die Totemtiere ״fast allein״ praktisch zum Genüsse erlaubt in Frage kämen, und zwar wären dies: Stier und Widder. Mit Verlaub! Es gibt unter den uns bekannten noch andre zum Genuss erlaubte Gattungen, so Hirsch Gazelle, Antilope u. a. (s. Hofficuann, Kommentar zur Stelle). Somit fällt die geheimnisreiche Beziehung weg, die Abraham auf Grund dieser Bestimmung der Spalthufer zwischen Stier und Widder und Totemtier konstruieren will. Die Beziehung ist auch schon deshalb wenig haltbar, da ja nach Abraham selbst die für den Totem geeigneten Tiere nach heidnischem Brauch zum Genüsse gerade verboten waren, während Stier und Widder nach der mosaischen Bestimmung als die in erster Reihe zum Essen erlaubten in Frage kommen. Freie Kombination Abrahams ist es des weiteren, wenn er (Lb., S. 87) von der Verlegung des Priestersegens von dem Vormittagsin den Nachmittagsgottesdienst am Jaum-Kippur als von einem höchst sonderbaren Speeificum spricht und schnellfertig daraus den Schluss zieht, die Gemeinde wolle am Ausgange des Festes noch einmal an der imitierenden Zeremonie des Totemopferß (die Priester in Uniform des Totemtieres, 8. obige Ausführung) sich ergötzen. Wieder hat Herrn Abraham seine leider nur zu zufällige Gastrolle bei irgendeinem Tempelgottesdienste am Jaum- Kippur einen Schabernack gespielt. Hätte er Einblick in die Quellen genommen oder sich bei jüdischen Autoritäten Rat geholt, so wäre ihm leicht der Bescheid geworden: 1. Nicht einer Verlegung des Priestersegens vom Vormittag auf den Nachmittagsgottesdienst bat Abraham beigewohnt, sondern es ist ursprünglich der reguläre Ritus gewesen und noch heute in Süddeutschland (so in Frankfurt a. M.) Sitte, am Jaumkippur

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.