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Jeschurun · 1922-03-01 · Heft 3-4 (März 1922) · p. Seite 122

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 3-4 (März 1922)
Date
1922-03-01
Page
Seite 122 (sequence 42)
Language
German
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122 Deutungsversuch usw. viel gruseliger machen könnte?!) inweisse Gebetmäntel. Jetzt versteht man nach Abraham schon leichter die auffallende Gepflogenheit, dass am Jaum־Kippur auch zu N e 11 a, am Ausgang des Festes, der Priestersegen vorgeschriebe!! ist: Am Ausgang des Tages wird der Totem, der Vertreter des Vatergottes, nochmals nachgeahmt, und zwar durch die Priester, und diese erneuern und besiegeln nochmals das Treueverhältnis zwischen Gott und seinen Kindern. So Abraham. — Liest ein unbefangenes Auge diese Ausführungen eines Dieners der sogenannten ״exakten Forschung“, so wird es ihm schwer, ernst zu bleiben und hier nicht vielmehr von Donquichotterie und Pseudo Wissenschaft zu sprechen. Mein Ausdruck ist hart, aber nicht ungerecht. Es ist doch wohl wissenschaftliche gute Sitte, dass man, bevor man über einen Gegenstand, stofflicher oder ideeller Art, schreibt, urteilt, folgenschwere Schlüsse zieht, dass man den Gegenstand zuerst kennen lernt in seiner bestehenden Form. In״ formationen einholt in einschlägigen Quellen usw. Dieses Mindestmass jeder dforschungsmethoüe zu erfüllen hat Abraham verabsäumt, er hat verabsäumt, sich irgendwelche zuverlässige Auskünfte über Priestersegen und was damit zusammenhängt geben zu lassen. Wenn dies ״psychoanalytische Forschungen" genannt wird, dass man nach ganz eklektischer Willkürmethode aus einem Prozesse, den man analysieren will, passende Merkmale herausgreift, nichtpassende aber weglässt — nun denn, so richten solche Forschungsmethoden sich selbst. Was tut Karl Abraham? Wie ist sein Verfahren? Er sieht das Phänomen ״Priestersegen“, will es rationell und genetisch erklären, nach seiner Psychoanalyse erklären. Statt aber nach Forscher-, — nicht Dilettantenart das Phänomen zuerst quellenmässig zu studieren und in all seinen Daseinsformen zu beobachten, geht der objektive Forscher Abraham einmal oder einigemal in die Synagoge, beobachtet die seltsame Zeremonie des Priestersegens, sieht einige auffallende Merkmale und Riten — und fertig ist das Zauberstück. ״Mit Worten lässt sich trefflich streiten. Mit Worten ein System bereiten“. Ja, die

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