Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1922)
- Date
- 1922-03-01
- Page
- Seite 121 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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!)eutungsvereuch usw. 121 seele (נפש תהה נפש), Abladung menschlischer Verfehlungen auf ein Tier-Individuum. Fortsetzung des Sündenbock-Gedankens!שעיר המשתלח} und dgl., die da mitgesprochen haben. Auf jeden Fall ist aus dem Protest R. Josef Karos im Schulchan Aruch gegen die Beibehaltung des Minhag zur Genüge erwiesen, dass es sich um eine zur damaligen Zeit (1575) noch nicht feststehende Volkssitte handelte, keineswegs aber um eine uralte, zum festen Bestand des Jaum-Kippur-Zeremoniells gehörige strenge Vorschrift. Doch hiermit ist diese .Komödie der Irrungen* von Abraham geschrieben noch lange nicht zu Ende, dies war vielmehr nur deren I. Akt. Als nächsten höchst verdächtigen Anklagepunkt im Jaum-Kippur-Ritual hat sich Abraham den Priestersegen ausgewählt. Hier nimmt die Auslegekunst des Artikelschreibers solch bedenkliche, fast groteske Formen an, dass man schon versucht ist, von Monomanie zu sprechen. Die Priester verhüllen bekanntlich ihr Haupt beim Segnen mit Gebetmänteln und erheben die Arme zum Segen, wobei ihnen eine ganz bestimmte Fingerhaltung vorgeschrieben ist, * deren Bedeutung meines Wissens bisher keine befriedigende Erklärung gefunden hat“. ״Der vierte und fünfte Finger müssen gemeinsam von den drei andern Fingern(?) abgespreizt und während der ganzen Zeremonie in dieser gezwungenen Stellung belassen werden* (ibid.). Woran soll wohl diese höchst merkwürdige Fingerhaltung erinnern? Nun, die Stellung der Finger ist zweispaltig, die Fingergruppen sehen einer gespaltenen Klaue ähnlich, und mit einem kühnen Gedankenschwung (ex u n g u e leonem!) hat Jung-Abraham den Knoten des Priestersegen-Zeremoniells durchhauen: Beim Segnen ahmen die Priester durch das Fingerspreizen die Hufspaltung, die das Kasehruss des Widdert i e r e s kennzeichnende gespaltene Klaue, nach, um so ein Totemtier und somit einen Vatergott-Ersatz zu markieren. Sie hüllen sich zumErsatz desWidderfelis (warum eigentlich hier auch nur ״Ersatz*, wo man doch durch echte, leicht zu beschaffende Tierfelle die Geschichte