Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1922-03-01 · Heft 3-4 (März 1922) · p. Seite 119

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 3-4 (März 1922)
Date
1922-03-01
Page
Seite 119 (sequence 39)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2292929-2293011-2293014--05526-2298809
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Deutungsversueh usw. v 11$ «ine rein heidnische, ja barbarische, an Menschenopfer gemahnende, materialistische Clansitte tritt, das wird diese nur die prähistorischen Urmotive ins Auge fassenden Völkerpsychologen wenig genieren: die ethische Motivierung und Vertiefung des Versöhnungstages kann ja viel späteren Datums sein. Proteste und feierliche Versichernngen, dass wir heutigen Juden nichts von derartigen Motiven und Trieben verspüren, werden hi8r wenig verfangen. Hier hilft nur eine sachliche Widerlegung. Zunächst irrt Abraham, wenn er den Minhag des Kapporo-Schwingens als von einem ״strengen Ritus״ gefordert bezeichnet. Im Talmud hat dieser Brauch absolut keine Wurzel. Tin Chulin p. 95 b findet sich eine Stelle, aus der zu entnehmen ist. dass man in Palästina am Vorabend des Versöhnungsfestos die Eingeweide aller geschlachteten Tiere auf das Hausdach den Vögeln zum Frasse warf, um Barmherzigkeit gegen die Tiere zu üben, geradeso wie wir Menschen in diesen Tagen von Gott Barmherzigkeit erflehn. Keineswegs ist dieser Stelle zu entnehmen, dass man gerade für Jaum-Kippur die Zahl der ״Opfertiere- oder Vogel״ besonders vermehrte, oder dass eine spezielle Gattung gefordert war.) Im Orach Chajim (תי״ה T) wird der Minhag von J. Caro als nicht nachahmenswert (יש למנוע המנהג) bezeichnet, nur der ר״ס״א erklärt ihn für nachahmenswert, da der Ari und der Schloh, die zwei bedeutenden Kabbalisten (Ari- Isaak Luria, geb. 1534, Schloh שד לוחות הברית Isaia Horwitz 1622), ihn empfohlen hätten. Doch fügen ט ז und מ״א in ihren Kommentaren hinzu, man möge alles meiden, was einem Opfer auch nur entferntest; ähnlich sehen könnte, damit es ja nicht קרשים בחוץ gleiche. Gegen den Opfercharakter der Kappcraus spricht: 1. Es dürfen nur solche Tier- oder Vogelgattungen gebraucht werden, die zur Zeit des Tempels als Opfer-Ersatz unbrauehbar waren, so מ״א, (also nicht Taube oder Turteltaube, die in Leviticus als Opfer-Ersatz für Aermere als zulässig genannten Vögel. Wieder irrt Abraham 1. c. S. 83 mit der Behauptung, dass nach Leviticus jede Geflügelart• also auch Hahn, Gans u. a. als Ersatz für vierfüssige

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.