Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1922)
- Date
- 1922-03-01
- Page
- Seite 119 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Deutungsversueh usw. v 11$ «ine rein heidnische, ja barbarische, an Menschenopfer gemahnende, materialistische Clansitte tritt, das wird diese nur die prähistorischen Urmotive ins Auge fassenden Völkerpsychologen wenig genieren: die ethische Motivierung und Vertiefung des Versöhnungstages kann ja viel späteren Datums sein. Proteste und feierliche Versichernngen, dass wir heutigen Juden nichts von derartigen Motiven und Trieben verspüren, werden hi8r wenig verfangen. Hier hilft nur eine sachliche Widerlegung. Zunächst irrt Abraham, wenn er den Minhag des Kapporo-Schwingens als von einem ״strengen Ritus״ gefordert bezeichnet. Im Talmud hat dieser Brauch absolut keine Wurzel. Tin Chulin p. 95 b findet sich eine Stelle, aus der zu entnehmen ist. dass man in Palästina am Vorabend des Versöhnungsfestos die Eingeweide aller geschlachteten Tiere auf das Hausdach den Vögeln zum Frasse warf, um Barmherzigkeit gegen die Tiere zu üben, geradeso wie wir Menschen in diesen Tagen von Gott Barmherzigkeit erflehn. Keineswegs ist dieser Stelle zu entnehmen, dass man gerade für Jaum-Kippur die Zahl der ״Opfertiere- oder Vogel״ besonders vermehrte, oder dass eine spezielle Gattung gefordert war.) Im Orach Chajim (תי״ה T) wird der Minhag von J. Caro als nicht nachahmenswert (יש למנוע המנהג) bezeichnet, nur der ר״ס״א erklärt ihn für nachahmenswert, da der Ari und der Schloh, die zwei bedeutenden Kabbalisten (Ari- Isaak Luria, geb. 1534, Schloh שד לוחות הברית Isaia Horwitz 1622), ihn empfohlen hätten. Doch fügen ט ז und מ״א in ihren Kommentaren hinzu, man möge alles meiden, was einem Opfer auch nur entferntest; ähnlich sehen könnte, damit es ja nicht קרשים בחוץ gleiche. Gegen den Opfercharakter der Kappcraus spricht: 1. Es dürfen nur solche Tier- oder Vogelgattungen gebraucht werden, die zur Zeit des Tempels als Opfer-Ersatz unbrauehbar waren, so מ״א, (also nicht Taube oder Turteltaube, die in Leviticus als Opfer-Ersatz für Aermere als zulässig genannten Vögel. Wieder irrt Abraham 1. c. S. 83 mit der Behauptung, dass nach Leviticus jede Geflügelart• also auch Hahn, Gans u. a. als Ersatz für vierfüssige