Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1922)
- Date
- 1922-03-01
- Page
- Seite 118 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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118 Deutungsversuch usw. Jaumkippur verraten. Diese Lücke in der Beweisführung Beiks sucht Abraham durch seinen Beitrag auazufülleru Abraham will den Reiksehen Untersuchungen eine weitere Umrahmung und tiefere Verankerung im ganzen Jaum- Kippur-Ritual schaffen. In der Tat sind viele Erscheinungen und Vorschriften des Versöhnungsfestes höchst seltsam und erheischen dringend einer rationellen Klärung. Diese Klärung kann uns, so meint Abraham, restlos und zwanglos die Psychoanalyse in der Reiksehen Ausdeutung bringen. Als erste seltsame Erscheinung geht dem eigentlichen Versöhnungsfeste bekanntlich das sogenannte ״Kapporaus- Schlagen“ voraus. Die Zeremonie besteht in einem dreimaligen Schwingen eines Hahns oder einer Henne um den Kopf des zu Entsühnenden unter Aussprechen der Gebetformel ״dies ist mein Sühnopfer, dies mein Stellvertreter, dieser Hahn (Henne) soll an meiner Statt in den Tod gehen“. Nach Abrahams Darstellung findet diese Zeremonie ״nach strengem Ritus“ statt. Was liegt nach der Ideologie eines Freud״ schülers näher, als in diesem Ritus den Rest eines ehemaligen Totemopfers zu erblicken! Das Totemopfer wird nach der Schwingung geschlachtet und opferdienstmässig im Familienkreise verzehrt. Der Opfernde identifiziert sich mit dem Totemopfer; in jedem Hause wird also (nach Freudscher Terminologie) vor Beginn des Versöhnungsfestes die Totemmahlzeit gehalten, und so das ״Urverbrechen“ an dem Vatergott sozusagen im kleinen alljährlich wiederholt. Daran schliesst sich nun der Kol-Nidre-Ritus, der nach Reik abermals einen versteckten Bruch des Briss-Gedankens, eine Auflehnung gegen das Bundesverhältnis mit Gott und die feierliche Versicherung der Nicht- Wiederholung des ״Ur Verbrechens“ bringt. Auch das Fasten am Jaum-Kippur soll weiter eine Art Selbstbesxrafung und Kasteiung für die Tötung und Verspeisung des Totemopfers darstellen. Dass nach dieser Auffassung dieses höchste und erhabenste Fest der Menschheit jeder höheren Weihe- und Verinnerlichung entkleidet wird und an deren Stelle