Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1922)
- Date
- 1922-03-01
- Page
- Seite 114 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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114 Der moderce Kampf usw. Von dieser Grundanschauung aus ist jetzt die Methode beliebt geworden, von den tatsächlich im Texte stehenden Aussagen wegzublicken und in die vorgeschichtliche Zeit zurückzugreifen. Dieses Verfahren ist aber einfach eine Flucht in den leeren Raum zu nennen. Wie diese Methode die Grenzen der Zeit unrichtig überschreitet, so überspringt eine andere neuere Methode die Schranken des Raums. Nämlich oft neigt man jetzt dazu, die in den althehräischen Schriften auftretenden Erscheinungen aus dem gegenwärtig vielgenannten Milieu erklären zu wollen, also nach dem zurechtzuschneiden, was in der altsemitischen oder sonstigen Kultur des Altertums gefunden wird. Dieses Verfahren setzt als selbstverständlich voraus, dass die wahre Religion Israels keine Eigenartigkeit besessen haben könne. Diese Voraus- Setzung ist aber der Ruin der Kulturgeschichteforschnng. Denn wenn nicht mehr das Eigenartige in den Quellenberichten beachtet und geschützt werden soll, dann braucht man gar keine Quellen mehr. Dann kann man sich den Verlauf der Geschichte selbst konstruieren, wie es ja neuerdings vielfach in bezng auf die Vergangenheit Israels versucht wird. Aber dann ist die Arbeit dieser Darsteller nicht mehr Geschichte, sondern Philosophie oder — Phantasie. Diese neuere Behandlung zunächst der Patriarchenreligion ist aber nicht nur methodisch oder formell falsch, sondern auch kurzsichtig oder beschränkt. Denn diese Behandlungsweise blickt nicht auf das Ganze und hauptsächlich nicht auf den Ausgang der Religionsgeschichte Israels. Oder welche andere Religion des Altertums hat, um nur zwei Momente herauszugreifen, dahin geführt, dass der Monotheismus und die Bildlosigkeit des Kultus zur Religion des ganzen Volkes geworden ist? Keine andere Religion des Altertums hat eine solche Frucht getragen. Dieser einzigartige Ausgang der Religionsgeschichte Israels weist auf einen einzigartigen Anfang zurück und das war eben das religiöse Erlebnis Abrahams. Das Resultat der hier geführten Untersuchung ist also kurz dieses: Einerseits konnte die überlieferte Patriarchenreligion