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Jeschurun · 1922-03-01 · Heft 3-4 (März 1922) · p. Seite 110

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 3-4 (März 1922)
Date
1922-03-01
Page
Seite 110 (sequence 30)
Language
German
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110 Der moderne Kampf usw. enge Beziehung von Ahnengrab und Kultstätte tritt uns entsegen zu Hebron im Grabe der Sara, zu Sichern im Grabe Josephs, zu Kades Barnea im Grabe Mirjams״. Aber er führt kein Wort des Beweises dafür an, dass an diesen Grabstätten von alten Israeliten ein Kult getrieben worden wäre, und er hätte auch keinen Beweis anführen können. Denn die Geschichts- ״quellen enthalten keine Spur davon, dass beim Erbbegräbnis zu Hebron Abraham oder Sara ein Kultus gewidmet worden wäre usw. Dann erinnert Stade allerdings an die ״Eiche des Weinens״ über dem Grabe der Amme Debora (1. Mos. 35, 8). Aber ״Eiche des Weinens״ ist nicht, wie Stade sagt, soviel wie ״Eiche einer Kultusstätte oder des Opfems“. Da sieht man, wie unter dem Einfluss der entwicklungstheoretischen Schablone, nach der die Erzväter auf einer niederen Religionstufe gestanden haben müssen, die Aussagen der Quellen umgedeutet werden. Ausserdem wäre die aus Mesopotamien mitgebrachte Amme doch auch nicht natürlicherweise ein Gegen- :stand des Kultus von Israeliten gewesen. Eine weitere Stütze für Ahnenkultus des alten Israel findet die jetzt herrschende Richtung der Darstellung der israelitischen Religion3geschichte" in 5. Mos. 26,14. Darnach musste der, welcher Erstlinge ablieferte, vor dem Priester erklären, dass er von den betreffenden Früchten nichts in bezug auf (= für) einen Toten gegeben habe. Aber dabei braucht nur die Verwendung eines Teiles dieser Früchte ״zur Speise für einen Toten״ gemeint zu sein, wie auch z. B. Steuernagel in seinem Kommentar zu 5. M08. 26, 14 urteilt. Der Gebrauch aber, den Verstorbenen Speise und Trank an das Grab hinzustellen, war im Altertum weit verbreitet und auch im alten Volke Israel bekannt. Denn z. B. bei den Arabern ist der aus dem Gehirn der Verstorbenen angeblich entstandene Totenvogel manchmal durstig und schreit am Grabe; ״Gebt mir zu trinken (isqüni):״, und bei den Hebräern sind ״Speisen, die an ein Grab hingelegt sind״ noch bei Sir. 30,18 erwähnt und können da selbstverständlich;nicht als Opfer für den Toten gemeint sein. Wie grundlos Totenkultus den Patriarchen neuerdings von

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