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Jeschurun · 1922-03-01 · Heft 3-4 (März 1922) · p. Seite 107

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 3-4 (März 1922)
Date
1922-03-01
Page
Seite 107 (sequence 27)
Language
German
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Der moderne Kampf usw. 107 seines völkischen und kulturellen Daseins erst in Moses Zeit hätte eingesenkt sein lassen! Oder haben nicht andere Völker des Altertums den ganzen Ausgang ihres Daseins auf je einen einzigen sogenannten Heros eponymos zurückgeführt und die mehreren als Brüder gedacht? Man denke nur an den Achaios der Achäer oder den Jon der Jonier? Aber Israel bat drei aufeinander folgende Stammvä ter vor Mose gekannt! Die Geschichtsschreibung Israels über dessen früheste Zeit muss doch bessere Grundlagen besessen haben, als neuerdings viele behaupten. Die Unterscheidung der vormosaischen Periode ist auf jeden Fall ein Kardinalpunkt bei der Würdigung der Geschichtsbücher des alten Israel, und wenn es mir gelingt, dies endlich in der Wissenschaft zur Anerkennung zu bringen, wird der biblischen Wahrheit ein grosser Dienst geleistet sein. Weil nun aber die Geschichtsbücher Israels über seine älteste Zeit aus so lebendigem Sinn für die ׳ Pflege der Erinnerungen geboren sind und so viel tatsächliche Spuren von Ueberein8timmung mit der geschichtlichen Wirklichkeit aufweisen, wie ich heute hier in aller Kürze darlegen konnte, so besteht auch kein Recht, das Bild der Patriarchenreiigion, das in diesen ältesten Geschichtsbüchern Israels überliefert ist, als ungeschichtlich zu bezeichnen und zu ignorieren. Trotzdem aber schwirrt eine neuere Anschauung über den Gottesglauben der Patriarchen durch viele Bücher unserer Tage, wie wir diese Anschauung in folgenden Worten Gunkels lesen: ״Die Religion Abrahams ist in Wirklichkeit die Religion der Sagenerzähler, die sie Abraham zuschreiben״. So steht es — denn man hält es vielleicht garnicht für möglich — bei Gunkel in seinem Kommentar zu 1. Mose, S. LXXIX. Ist das wahr? Wir protestieren dagegen schon auf Grund der dargelegten Beschaffenheit der Geschichtsbücher Israels über seine Anfänge, die von keinem Wellhausenianer so untersucht worden ist. Aber die wörtlich angeführte Behauptung Gunkels gibt uns den — man kann sagen — erwünschten Anlass, die Frage nach der geschichtlichen Wirklichkeit der überlieferten

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