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Jeschurun · 1922-03-01 · Heft 3-4 (März 1922) · p. Seite 98

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 3-4 (März 1922)
Date
1922-03-01
Page
Seite 98 (sequence 18)
Language
German
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98 Der moderne Kampf usw. Götter. Denn das beweist z. B. Hammurapi gleich durch den Anfang seiner Gesetzesinschrift: ״Als Anu, der Erhabene, und Bel, der Herr von Himmel und Erde, Marduk, dem Herrschersohne E a s, die irdische Menschheit zuerteilt hatten״♦ Also da zählt er gleich in den ersten drei Zeilen vier Götter auf. Nur Henotheismus tritt in der babylonischen Religionsgeschickte mehrfach hervor. Nämlich z. B. die Ischtar, d. h. die Venusgottheit, wird in einem langen Gedichte so hoch gepriesen, dass man denken könnte, sie werde von dem betreffenden Dichter als die einzige Gottheit angesehen. Aber am Schlüsse heisst es doch: ״Die Götter des All mögen dir huldigen!12״) Also nur eine Scheingestalt des Monotheismus zeigt sich da. Ferner beruft Delitzsch sich auf einen Text, dessen Zeilen so lauten, wie z. B. diese: ״il Nergal MaruduJc scha qabla“, d. h. der Gott Nergal [der Kriegsgott usw.] ist der Marduk des Kampfes•״ Damit ist gemeint: ״Der Gott Nergal ist nur dasselbe, was Marduk ist, wenn dieser als Gott des Kampfes aufgefasst wird4*. Damit ist aber nicht die Existenz des Gottes Nergal verneint, sondern es ist nur Marduk, der Stadtgott von Babylon, als ein Gott charakterisiert, der auch mit allen Fähigkeiten der andern Götter ausgestattet sei. Ausserdem stammt der angeführte Text aus der neu babylonischen Zeit, die von 625 an läuft, und kann also schon deswegen nichts für die Zeit Abrahams beweisen. Sodann bemerkt man13), dass schon im dritten Jahrtausend der Gott Anu als König der Götter bezeichnet worden sei. Aber dies ist nur die in der Geschichte des polytheistischen Gottesglaubens häufige Erscheinung, die z. B. auch bei den Griechen in der Anschauung von Zeus begegnet und die am deutlichsten als monarchistische Vielgötterei bezeichnet werden kann. Diese Erscheinung eine ״monotheistische Strömung״ zu nennen, hat keinen Wert, und dies Verfahren erweckt insbesondere bei den Babyloniern nur einen falschen Schein, da bei ihnen 12) Hnr. Zimmern, Babylonische Hymnen und Gebete, S. 16. 13) AUr. Jeremias, Monotheistische Strömungen innerhalb der babylonischen Religion, S. 19.

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