Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1922)
- Date
- 1922-03-01
- Page
- Seite 95 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Der moderne Kampf usw. 95 alle möglicben Quellen der Erkenntnis zu öffnen und durch alle tou ihnen dargebotenen Farben das Gesamtbild der menschlichen Kultur ,weiter auszumalen. Aber musste oder durfte die neue Erkenntnis dazu führen, das frischaufgedeckte Stück alter Kultur nun als die Ausgangs- und Gipfelregion aller Kultur des Altertums anzusehen? Nein, diese panbabylonische Ansicht, die alle Hauptmomente der späteren menschlichen Kultur auf Babylon als ihren Ausgangspunkt zurückzuführen sucht5), ist ein falscher Ausfluss der Begeisterung für die jeweils neuen Entdeckungen. Was ferner ist über solche neuere Sätze, wie z. B. den schon angeführten von dem ״Dörflern״ Israel, das seine Kultur aus der Großstadt Babylon bezogen haben müsse, zu urteilen? Hängt wirklich von der Kleinheit eines Gebiets oder Volkes auch dessen politische insbesondere kulturelle Leistung ab, wie hauptsächlich auch Hugo Winckler behauptet?6) Um darauf eine richtige Antwort zu finden, schaue man doch in die Blätter der Geschichte! Wie waren die grieduschen Staaten so klein gegenüber dem Perserreiche mit seinen einhundertundsiebenundzwanzig Satrapien (Esth. 1, 1) und doch sind sie dem Koloss erfolgreich entgegengetreten! Hat sich ferner auch der geistige Einfluss des Hellenenvolkes nach der Kleinheit seiner Anzahl gerichtet? Nein, der Zwerg an äusserlicher Ausdehnung ist nach seiner Kulturbedeutung ein Kiese geworden. Oder kann die Möglichkeit der kulturgeschiehtliehen Selbständigkeit Israels durch den Hinweis auf die Schweiz mit Winckler?7) bestritten werden? Darauf hat schon Oettli8) 5) So hauptsächlich Hugo Winckler, Die babylonische Geisteskultur (1907). 6) In ״Die Keilinschriften und das alte Testament“ (1903), S. 5 sagt er r ״Dem kleinen Volk Israel fehlen für die Entwicklung seiner eig- 3aen Kultur die Vorbedingungen. Das Gebiet ist zu klein, es fehlen die Flüsse, welche als natürliche Verkehrsstrassen dienen könnten“. 7 ״) In seinem Buche ״Abraham als Babylonier usw.“ (1903), S. 12. Aifr. Jeremias, Das Alte Testament usw.. S. 29 hat ״die kulturelle Ueberüegenheit des Keiches von Damaskus über Israel-Juda“ daraus ableiten