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Jeschurun · 1922-03-01 · Heft 3-4 (März 1922) · p. Seite 82

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 3-4 (März 1922)
Date
1922-03-01
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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82 Heiligkeit und Weltlichkeit Hätte also das Werk der Gesetzgebung nicht eher mit den hohen und heiligen Lehren beginnen sollen, die die Thauro uns bietet, mit Lehren von einem Leben voll Reinheit und Güte, von einem Leben in Gott, von Entsagung und Ueberwindung der Triebe, von der Loslösung vom Irdischen, von der Erklimmung der Stufenleiter zun* Ewigen? Oder hätten nicht eher die grossen חוקים an den Eingang gestellt werden sollen, diese gewaltigen Wahrzeichen von Jisroels Einzigartigkeit? Oder etwa die זלז קרבבות% die so seinen priesterlichen Charakter hervorheben? Aber nun gerade משפעים? Dinge, die doch so gar nichts Priesterliches, so gar nichts Heiliges an sich haben, die das rein materielle Dasein des Volkes betreffen, so wie es ein jedes Dutzendvolk auch führt: Regelung rechtlicher und wirtschaftlicher Beziehungen, Kauf und Verkauf, Leihen und Borgen, Worte gerichtet an ein Volk von Bauern und Händlern, an das Volk auf dem Markte und auf der Gasse, auf dem Acker und in der Werkstatt! Und haben die Völker nicht recht, wenn sie nun enttäuscht fragen: ״Haben wir nicht auch Gesetze gegen Mord und Diebstahl erlassen, nicht auch Gesellschaft und Wirtschaft durch rechtliche Bestimmungen gesichert, Handel und Wandel in geordnete Bahnen geleitet? Und mögen auch eure Gesetze besser und entsprechender sein, weil sie göttlichen Ursprungs sind, aber was ist da Priesterliches, Heiliges daran, wo ist denn da das Einzigartige, das wesentlich Verschiedene zwischen euch und uns? Und weiter: wenn wir es recht bedenken, haben denn die Völker nicht Männer gehabt, die aus tiefstem inneren Bedürfnis um G0tte8erkenntnis rangen, die in selbstgewählter Einsamkeit, weitabgewandt, ein frommes und heiliges Leben führten? Wurden in ihren Tempeln nicht auch inbrünstige Gebete laut, verrichteten ihre Priester nicht auch mit Begeisterung den Opferdienst? Und mochten sie auch falschen Götzen opfern, wähnten sie nicht, dem wahren Gott zu dienen? Aber die Heiligen der Völker, sie waren wohl im Tempel und in der Wüste, in Klöstern und Einsiedeleien, aber auf dem

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