Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
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Biicherbespreehungen Bücherbesprechungen. Der babylonische Talmud. Uebersetst und kürz erläutert von I)r. Nivard Schlögel, O. Cist, a. O. Prof, für oriental. Sprachen a. <1. Wiener Universität. I. Lieferung Preis M. 10.— Wien, Burgverlag Itiehier und Zöllner. Eine vollständige Uebersetzung des babylonischen Talmuds wird gewiss allgemein in der 'wissenschaftlichen und auch in der sich! Wissenschaft liehen gebildeten Welt, von Juden und Christen begmsst werden, besonders aber von Juden, nicht um ihrer selbst willen, denn diese haben Gelegenheit an der Quelle zu schöpfen, aber um des Talmud selbst willen, denn wird sein Inhalt klar erkannt, dann wird alles Gezänk um ihn aulhören und die Lügen, die aus ihm herausdistilliert wurden, werden zum Schweigen verurteilt sein. Die bisherigen deutschen Uebersetzungen, die eine, die nur einen Traktat behandelt, die andere, die schon weit vorgeschritten, aber noch nicht zum Abschluss gebracht ist, haben ihre Mängel, allein ihre Verf. sind Männer, die die Materie beherrschen, und dies lässt über die Mängel sehr oft hinwegsehen. Es fragt sich aber, ob bei der eigenartigen Konstruktion des Talmud eine deutsche Uebersetzung ohne Mängel möglich ist, ob es einer imstande ist in einer klaren all gemeinverständlichen, in gutem Deutsch geschriebenen Uebersetzung den Inhalt des Talmud weiteren Kreisen zu vermitteln. Besonders wenn es sich um die Partieen der haiaehisebea Diskussionen handelt, da müsste es schoa ein Stilkünstler, der im Besitz eines gründlichen talmuäisehen Wissens sein, der sich an die schwierige Aufgabe wagen dürlte. Nun, Herr Schlögel wagt sich daran. Er legt uns zwar einstweilen einen ganz minimalen Bruchteil vor, 96 Seiten, entsprechend *s Bl. des Traktates Berachoth, des bekanntlich am leichtesten zu übersetzenden Teiles, da die halachischen Diskussionen hier im Vergleich zu den andern Traktaten sehr wenige sind. Zumeist sind es Partien agadiseben Inhalts, deren Uebersetzung, hat m&n sich in das aramäische Idiom hmeingelesen, nicht schwielig ist, zumal man sich mit den bereits vorhaudeneu Uebersetzungen gut helfen kann, wenn das eigene Wissen versagt. Lassen uns nun die sechs Bogen, die der Verf. uns vorlegt, Grosses von ihm erwarten? Können wir glauben, dass er seine Vorgänger übertreffen wird und als Mann von umfassender Talmudkenntnis anzusprechen ist-, denn ein solcher muss der Uebersetzer des Talmud sein, soll er nicht Unheil anrichten — der uns nnn eine Arbeit liefern wird, an der man seine Freude haben kann, und in der der Welt eine Quelle reichen Wissen geöffnet wird? Sehen wir! In dem ersten Satz aut der ersten Seite, also sehr früh offenbart der Verf. ein Nichtverständais und eine Nichikenntnis, die man einem Anfänger nicht verzeihen würde. Er schreibt nämlich: ״Von wann an rezitiert man