Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1922-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1922) · p. Seite 74

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 74 (sequence 74)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2292929-2293011-2293013--05459-2298742
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

74 Nachtrag zu *Philosophie des Organischen mit השגחה zu identifizieren, so doch als deren wissenschaftliches Korrelat zü bezeichnen ist Wenn wir dazu übergehen, mit Driesch all das metaphysisch auszudeuten, so ergibt sich, dass die E. das ganzheitliche gegenüber dem Zufälligen der Materie ist. So gelangen wir zu dem Dualismus, Ganzheit und Zufall, der in seiner Vereinigung die Welt abgibt. Die Ganzheit oder die höchste Setzung, die alles oder doch das Wesentliche mitsetzt, wird dann zum Gottesbegriff, und da nach Driesch alle Probleme nur Teile des Gottesproblems sind, so wird von oben her gesehen, tatsächlich das bisher naturwissenschaftlich Betrachtete zur Theologie freilich in durchaus aklerikaler, unkonfessioneller Weise. Bedeutung von vorher ungeahnter Art bekommen eben durch die vom Vitalismus äugebahnte Philosophie inauguriert die Probleme des Todes und der Unsterblichkeit, die nun legitim in der Metaphysik höherer Stufe auftauchen. Um dessentwillen ist uns der Vitalismus so teuer, weil er etwas wrabr gemacht, dass man kaum noch zu hoffen wagte: weil er eine Vereinigung religionsphilosophischer Probleme mit induktiver Philosophie ermöglicht, weil er unseren religiösen Traditionen, ohne von ihnen beeinflusst zu sein, ihren Platz erhalten, ja bis zu einem gewissen Grad gefestigt hat durch Einfügung in die Wissenschaft. Freilich geht es auch hier wie überall, wo seit Saaäja besonders von Maimonides der Versuch einer Eeligionsphilosophie gemacht wurde: diese kann nur zustande Icommen durch eine gewisse Umdeutung des traditionellen Denkens, insofern es Anschaiiung und Erkenntnis ist, und durch Ausschaltung mancher Einzelheiten. Nie darf man hoffen, im Gebäude einer ßeligions- Philosophie alles unterzubringen, was die Beligion in ihrem Kern und darauf sich stützend religiöse Denker uns je mitgeteilt haben. Das, was uns bei Hermann Cohen und besonders in seiner Schrift so deutlich entgegentritt: die Sublimierung und die Subtraktion, gilt im Prinzip für jeden ähnlichen Versuch.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.