Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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56 Die Religionsphilosophie Hermann Cohen’s Vor welchem Tribunal aber 8011 der sündige Mensch die«Selbst- Verantwortung vollziehen. — Das Gewissen lehnt Cohen um seiner Unbestimmtheit willen ab. Diese Aufgabe erfüllt allein — der Gottesbegriff der Religion. ״Der Mensch muss sich isoliert denken, sofern er sich sündhaft denkt80״. Aber nur in der Korrelation zu dem einzigen Gotte findet der Mensch seine Einzigkeit, seine Isoliertheit, sich selbst. Doch das sündige ״Ich״ ist nur ein Durchgangsstadium, ein ״Uebergangspunkt für die Erzeugung des religiösen Individuums31 ״) in Begriff der Erlösung. Nicht das Verharren in der Sündhaftigkeit meint ״die Sünde vor Gott״. Sondern die Erlösung durch Gott. An der Prophetie Jecheskels erschliesst nun Cohen die תשובה als das zentrale Problem der Religion. Nicht mehr wie in der Antike schreibt die Schuld den Weg dem Sünder vor, vor dem es kein Entrinnen gibt, nein es ist eine Umkehr möglich: diese Umkehr ist das Problem, die höchste Forderung der Religion, sie die Erlösung, die Befreiuung. Nein, die Schuld darf nicht zum 1 מכשולwerden, sie darf nur Antrieb zum Aufschwung sein. Diese ״Möglichkeit der Selbstverwandlung aber macht das Individuum zum Ich“. In dem Akte der Reue, des Bekenntnisses mit all der Selbstzerknirschung und Demütigung, findet das Individuum die Kraft zu der Neuschöpfung seines sittlichen Bewusstseins. Beim Menschen liegt die Aktivität, aber bei Gott das Ziel; beim Menschen das unendliche Streben, bei Gott d 1 e Zuversicht der Erfüllung; beim Menschen die Busse, bei Gott die Erlösung. Diese Momentan!tat des Aufschwunges, der sittlichen Erneüerung des ״Ich’s״ ist die ״Realisierung des In dividuums״ (so wie auch in der Erkenntnistheorie nur im Augenblick des Erdenkens die Realität des Gegenstandes fassbar wird). 30) Der Begriff der Religion S. 68. s1) Die Religion der Vernunft S. 219.