Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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60 Die Religionsphilosophie Hermann Cohen’s den Urheber und Bürgen der Sittlichkeit10), um ״für die Ewigkeit des Ideals die analoge Ewigkeit der Natur zu sichern'־' n), liegt um so näher, als Cohen ja das Wesen der wahren Religion, des monotheistischen Gottesbegriffes, die urgewaltige Entdeckung, Errungenschaft des Judentums, grade in der absoluten Be- Ziehung zur Ethik erblickt. Im ־יי Gegensatz zur Mystik und zum Mythos, wird der Schwerpunkt von Gott zum Mensehen, von dem Zauber des Unerforschlichen zur klarumrissenen Aufgabe des Sittlichen verlegt, ist Gott nicht so sehr Rätsel des Seins als Urbild des Hand e 1 n s, Religion nicht so sehr Offenbarung über Gott als Lehre vom Menschen. — Die Ethik aber erhebt im Rahmen der Philosophie den Anspruch alle Angelegenheiten des Menschen zu verwalten, sie ist — seit Sokrates — die eigentliche ״Lehre vom M ensc h e n Vi2) So drängt die logische Konsequenz der Gedanken, das rationale Schema dazu, die Religion als Systemglied der Philosophie zu negieren. Mit der systematischen Stellung aber verliert sie auch Berechtigung und W a h r h e i t; denn es kann nicht 2 Quellen der Wahrheit geben; Vernunft ist der einzige Maßstab, das einzige Kriterium des Gültigen, des Wahren. Es gibt kein Vakuum des Bewusstseins, dass der Legislative der Vernunft nicht unterstände. Die Allherrschaft und Alleinherrschaft der 5־ratio“, die Vernünftigkeit des Wirkliehen ist zwar nicht Tatsache — der Grundirrtum Hegels — aber eben das Ziel, der Sinn der Verwirklichung, die ewige Aufgabe. Die Dinge sind nicht, sie werden vernünftig, werden vernünftig, indem sie wirklich werden. Bleibt nur die Alternative: dass die Philosophie den wahren Kern der religiösen Gedanken übernimmt, sie aus dem Dunkel der Mystik, dem Dämmer des Mythos ans Tageslicht der ״ratio״ führt, aus der historischen, nationalen Bedingt- und Begrenzheit ihres Ursprungs, zu ihrer begrifflichen, universalen Klarheit 10) ibid, p. 84, 317. u) Ethik d. r. W. 410. 12) ibid. p. 2.